News | Von Klaus Härtel

10 Fragen an Johann Mösenbichler

10 Fragen an Johann Mösenbichler
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Im vergangenen Jahr war die Tuba das Instrument des Jahres, weshalb wir in jeder Ausgabe einen Tubisten befragt haben. 2025 ist „die Stimme“ das Instrument des Jahres – und da haben wir uns gedacht, befragen wir doch die Dirigenten. Das soll nicht zwingend bedeuten, dass Dirigenten zu viel reden, aber sie haben sicher was zu sagen… Diesmal mit Johann Mösenbichler.

Als Einstieg, kurz gefragt: Was ist eigentlich so faszinierend am Dirigieren?

Gemeinsam mit Musikerinnen und Musiker die schwarzen Noten auf dem Papier zum Leben zu erwecken und damit Menschen Freude zu bereiten.

Wie bereiten Sie sich auf eine Probe oder Aufführung vor?

Nachdem ich ein Werk ausgewählt habe, studiere ich die Partitur und richte mir diese ein. Zudem überlege ich mir, welche Stellen intensiver geprobt werden müssen und welche methodischen Ansätze dafür effizient sind. Daraus erwächst eine immer stärker werdende Interpretation.

Wie gehen Sie mit technischen oder musikalischen Schwierigkeiten während der Probe um? Wie arbeitest Sie an Klangfarben, Intonation, Rhythmik?

Im Berufsorchester gibt es keine oder kaum technische Probleme. In der gesamten Probenarbeit geht es um Klangbalancen, gemeinsame Artikulation und vor allem immer um Intonation. Insbesondere sind es die Außenstimmen – also alle tiefen und alle hohen Instrumente – bei denen ich besonders auf eine gute Intonation achte. Wenn ich Amateurorchester dirigiere, achte ich auch sehr sorgfältig darauf, dass die Musikerinnen und Musiker wissen, wie sie technische und rhythmische Passagen üben können.

Auf was legen Sie beim Einspielen in der Probe wert?

Im Profiorchester gibt es kein gemeinsames Warm-Up, das machen alle Musikerinnen und Musiker selbstständig. Im Amateurorchester hingegen ist mir der Prozess des Einspielens sehr wichtig. Dabei steht an erster Stelle das jeweilige Ziel. Egal ob es Artikulation, Stimmung, Dynamik, Rhythmik oder auch technische Elemente sind, mein oberstes Ziel ist es die Musikerinnen und Musiker in einen aktiven, musikalischen Prozess bringen und dabei vor allem das bewusste und aktive Zuhören eines jeden Einzelnen zu entwickeln.

Wie bauen Sie eine gute Kommunikation mit Ihrem Orchester auf?

Meine Kommunikation beim Musizieren soll in erster Linie über das Dirigat sicht- und spürbar werden. Ich versuche immer höflich, freundlich aber bestimmt zu sein. Die sprachliche Kommunikation soll auf jeden Fall ergänzend, erläuternd, positiv verstärkend und zielorientiert sein. Fragestellungen von beiden Seiten sind dabei immer wieder kommunikative Hilfsmittel.

Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Temperamenten innerhalb des Orchesters um?

Aus meiner Sicht muss ein Dirigent alle persönlichen Vorurteile vor dem Proberaum lassen und die Individualität der Menschen respektieren. Daher ist zunächst ein sehr wertschätzender Umgang wichtig. Sollte es in der Probe zu mehrfachen Störungen kommen, habe ich mit Vieraugengesprächen die besten Erfahrungen gemacht.

Was tun Sie, wenn etwas während einer Aufführung nicht wie geplant läuft?

Vor allem Ruhe bewahren und konzentriert und möglichst klar und deutlich weiterdirigieren. Häufig findet sich dann das Orchester sehr schnell wieder. Sollte dies nicht der Fall sein, kann auch ein Abbruch in Frage kommen. Aus meiner Erfahrung stellt sich diese Thematik bedeutend häufiger in Proben. 

Abhängig davon was gerade nicht läuft ist es natürlich notwendig entsprechend zu reagieren. Hat sich eine Stelle »festgeprobt« ist es ratsam, das Stück wegzulegen und etwas anderes zu proben. Kann ich meine Vorbereitung nicht machen, weil wichtige Leute dafür heute fehlen, dann muss ich auch darauf reagieren. Dies bedeutet wir sind immer gut beraten einen Plan »B« in unsere Vorbereitungen mit einzubauen. 

Welche drei Ratschläge würden Sie jungen Dirigentinnen/Dirigenten mitgeben?

Erstens: immer bestmöglich vorbereitet in eine Probe zu gehen, dann bin ich flexibel und kann auf die unterschiedlichsten Situationen reagieren.

Zweitens: Gelassen und freundlich bleiben – auch wenn eine schon oft geprobte Stelle wieder nicht funktioniert. Feiner Humor kann viele Blockaden lösen.

Drittens: Freude und Spaß vermitteln und vor allem zeigen, dass es ein Geschenk ist gemeinsam mit dem Orchester an Musik zu arbeiten.

Wie stellen Sie ein Konzert-Repertoire zusammen?

Ich habe verschiedene Zugänge. Oft habe ich ein Werk, dass ich bei einem bestimmten Konzert aufführen möchte. Dazu suche ich mir dramaturgisch passende Stücke. Oder ich habe einen Konzerttitel im Kopf und suche mir dazu entsprechende Literatur. Auf jeden Fall ist es immer viel Recherchearbeit im Internet auf den einschlägigen Seiten. Um zu sehen, ob ein Werk für mein Orchester passend ist bestelle ich mir auch immer wieder Partituren und bewerte die schwierigen Stellen. Schlussendlich ist natürlich auch die Konzertlänge zu beachten.

Haben Sie ein Lieblingswerk? Welches und warum?

Ich habe sehr viele Werke in meiner persönlichen Hitparade. Die »First Suite in Es« von Gustav Holst gehört genauso dazu wie z.B. die »Dritte Symphonie« von James Barnes. Häufig ist es so, dass sich programmabhängig ein Werk aus dem jeweiligen Programm in meine persönliche Hitparade hineinspielt. Aktuell ist dies »One Voice« von Ruth Moody aus unserer letzten Weihnachts-CD »Christmas Voices«

GMD Johann Mösenbichler

Johann Mösenbichler ist seit 2006 Chefdirigent des Polizeiorchesters Bayern. Beim Neujahrskonzert des Bayerischen Innenministeriums im Herkulessaal München im Januar 2018 verlieh ihm Innenminister Joachim Herrmann den Titel »Generalmusikdirektor (GMD) der Bayerischen Polizei«. Von1989 bis 2024 war er neben seiner Dirigententätigkeit auch Professor an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Seine Studien in den Fächern Klarinette, Saxofon und Dirigieren absolvierte er an der Hochschule für Musik in Wien sowie am Bruckner-Konservatorium in Linz.

Seither liegt sein Arbeitsschwerpunkt im Bereich der konzertanten Blasmusik. Konzertauftritte, die Arbeit als Gastdirigent sowie umfassende Vortrags-, Lehr- und Jurorentätigkeiten bei verschiedenen Seminaren, Workshops und Wettbewerben führten ihn bereits nach Asien, USA und in viele Länder Europas. Seit 1997 ist Johann Mösenbichler Direktoriumsmitglied des internationalen Blasmusik-Festivals MID EUROPE in Schladming, 2000 wurde er zum künstlerisch-wissenschaftlichen Leiter bestellt. Foto: Tobias Epp