Orchestra | Von Renold Quade

“Bacchus On Blue Ridge” von Joseph Horovitz

Bacchus On Blue Ridge
Die Blue Ridge Mountains (Foto: mam5032 – Pixabay)

Feld, Wald und Flur sind immer wieder ein Quell der Inspiration, denn Landschaften sind und waren zu allen Zeiten Emotionsstifter. Nicht umsonst sprechen wir gerne von “Traumorten”. Hatten wir bereits in der Ausgabe 6/2021 einen ganz allgemeinen Blick von James Barnes auf die “Appalachen“, so stellen wir dieser Landschaft im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika mit “Bacchus on Blue Ridge” eine Persönlichkeit aus der griechischen Götterwelt fiktiv zur Seite: Bacchus, den Gott des Weines. So kommt es nun zu ganz neuen Eindrücken und Wendungen im Kontext einer Landschaft. Ein Szenario, welches Komponist Joseph Horovitz sicherlich mit viel Lächeln im Gesicht und einer guten Prise Ironie anging. 

Der Komponist 

Joseph Horovitz wurde am 26. Mai 1926 in Wien geboren. Als Sohn eines jüdischen Kunstbuchverlegers wuchs er im 1. Bezirk in einer traditionellen jüdischen Familie auf. Philosophie, Geschichte, Kunst und Literatur der Klassik und Moderne besaßen in seinem Elternhaus einen hohen Stellenwert. Seine Mutter spielte Klavier. Er besuchte in seiner Heimatstadt das Aka­de­mische Gymnasium am Beethovenplatz und war zudem Schüler am Wiener Konservatorium. Nachdem die Wehrmacht in Österreich einmarschiert war, wurde er, ebenso wie eine Vielzahl seiner Mitschüler, im März 1938 aufgrund seiner jüdischen Abstammung unter dem zynischen Begriff “Umschulung” der Schule verwiesen. Sicher­lich nicht unvorbereitet flüchtete er um­gehend über Villach, Meran, Zürich, Antwerpen und schließlich Anfang Mai Dover erreichend mit seinem Vater nach England. Die Mutter und seine beiden Schwestern folgten ihnen im Juni.

An der privaten Londoner Regent’s Park School wurde er gemeinsam mit weiteren deutschsprachigen Flüchtlingskindern auf ein Leben und eine berufliche Ausbildung in England vorbereitet. Der nach London transferierte Phaido-Verlag des Vaters sicherte den Lebensunterhalt der Familie. Ein Umstand, der den klugen und sorgenden Weitblick des Vaters in jenen ­Tagen unterstrich. An der Oxford University studierte Joseph Horovitz neben Musik zunächst auch noch moderne Sprachen. Es zog ihn, der Musik wegen, aber weiter. 1948 nach London zu Gordon Jacob ans Royal College of Music und 1949 nach Paris, wo er schließlich bei Nadia Boulanger seine Kompositionsstudien fortsetzte.

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