Vom 2. bis 6. Juli 2026 wird Bern zum internationalen Treffpunkt der Bläsermusik. Die International Society for the Research and Promotion of Wind Music (IGEB) lädt gemeinsam mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) zur 28. Internationalen Blasmusikkonferenz ein. Unter dem Titel „Wind Music – Cultural Heritage in Transition“ widmet sich die Tagung einer Fragestellung, die viele Ensembles und Musikschaffende aktuell beschäftigt: Wie entwickelt sich das kulturelle Erbe der Blasorchester weiter, wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen, musikalische Ausdrucksformen und technologische Möglichkeiten gleichzeitig verändern?
Blasorchester zählen seit Jahrhunderten zu den prägenden musikalischen Gemeinschaftsformen Europas. Sie sind Teil öffentlicher Kultur, musikalischer Bildung und gesellschaftlicher Identität – in Städten ebenso wie in kleineren Gemeinden. Dieses gewachsene musikalische Erbe ist jedoch kein statischer Besitzstand. Gerade die Geschichte der Bläsermusik zeigt, dass Tradition stets im Wandel steht: Repertoires verändern sich, Aufführungssituationen entwickeln sich weiter und neue Generationen bringen andere Klangvorstellungen mit. Die Konferenz in Bern versteht kulturelles Erbe daher nicht als rückwärtsgewandte Bewahrung, sondern als lebendigen Prozess in der Vermittlung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Im Zentrum der Veranstaltung steht der Austausch zwischen Forschung und musikalischer Praxis. Wissenschaftliche Perspektiven treffen auf Fragen der Ensemblearbeit und Musikpädagogik, historische Themen stehen neben aktuellen Entwicklungen der Konzertpraxis. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Digitale Technologien und neue Formen musikalischer Produktion und Vermittlung beeinflussen zunehmend auch die Arbeit von Blasorchestern und eröffnen neue Wege im Umgang mit musikalischer Tradition.
Enge Verbindung von Diskussion und klingender Praxis
Ein besonderes Merkmal der Blasmusikkonferenz ist die enge Verbindung von Diskussion und klingender Praxis. Auch 2026 wird das Programm durch mehrere Konzerte ergänzt, die unterschiedliche europäische Perspektiven der Bläsermusik hörbar machen. Das Schweizer Armeespiel repräsentiert dabei die hohe Professionalität und lange Tradition der Militärmusik in der Schweiz und zeigt eindrucksvoll deren Rolle zwischen Repräsentation, Konzertkultur und künstlerischer Weiterentwicklung. Mit dem Orchestra Fiati di Valle Camonica ist zudem ein italienisches Ensemble eingeladen, das die lebendige Banda-Tradition Norditaliens verkörpert, in der lokale Verwurzelung und musikalische Offenheit eng miteinander verbunden sind. Das Luftwaffenmusikkorps Erfurt ergänzt das Konzertprogramm. Es ist eines der profilierten professionellen Klangkörper Deutschlands, der die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der deutschen Militärmusikszene repräsentiert. Die Konzerte sind dabei bewusst Teil des inhaltlichen Gesamtkonzepts: Musik wird nicht nur analysiert und diskutiert, sondern unmittelbar erlebt.

Mit der Hochschule der Künste Bern als Gastgeberin findet die Konferenz an einem Ort statt, der künstlerische Praxis, Interpretation und Forschung eng miteinander verbindet. Diese Verbindung spiegelt den Anspruch der Veranstaltung wider, Brücken zwischen Theorie und musikalischer Realität zu schlagen. Für mehrere Tage entsteht ein internationales Forum, in dem Dirigierende, Lehrende, Studierende, Komponierende und Forschende miteinander ins Gespräch kommen und neue Perspektiven für die Weiterentwicklung der Bläsermusik entwickeln.
Blasmusik ist ein dynamisches kulturelles Feld
Die Internationale Blasmusikkonferenz 2026 macht deutlich, dass man Blasmusik heute als dynamisches kulturelles Feld verstehen kann. Tradition bildet dabei nicht den Abschluss einer Entwicklung, sondern ihren Ausgangspunkt. Zwischen historischen Wurzeln, aktuellen Klangvorstellungen und gesellschaftlichem Wandel entsteht ein Spannungsraum, der die Zukunft der Blasorchester nachhaltig prägen wird. Bern wird damit im Sommer 2026 zu einem Ort des Austauschs, der Inspiration und des internationalen Dialogs – und zu einem wichtigen Impulsgeber für alle, die sich künstlerisch, pädagogisch oder wissenschaftlich mit Bläsermusik beschäftigen.
Dr. Björn Jakobs, IGEB

