News | Von Klaus Härtel

Corona und der Musikalienhandel: Tobias Jacobs, Bläserstudio Koblenz

Jacobs Härtel

Corona hat auch den Musikalienhandel fest im Griff. Denn auch und gerade die Blasmusik lebt ja davon, das man Instrumente ausprobiert, im Laden beim Instrumentenhändler vorbeischaut und sich fachkundig beraten lässt. BRAWOO-Chefredakteur Klaus Härtel sprach mit Tobias Jacobs vom Bläserstudio Koblenz. Wie wirkt sich Corona und die damit verbundenen Maßnahmen auf den Musikalienhandel aus?

Wie lange kann man das Durchhalten? Welche Hilfen könnte man in Anspruch nehmen? Welche Maßnahmen unternimmt das Bläserstudio, um den Kunden trotz Corona den sonst gewohnten Service zu bieten? Spielt “Online” dabei eine Rolle? Denn der Ladenbetrieb ist durch die staatliche Anordnung geradezu zum erliegen gekommen. Verkauf und Beratung ist nicht möglich, die tägliche Arbeit ist auf Reparaturen beschränkt.

„Langweilig wird es noch nicht“, erklärt Tobias Jacobs vom Bläserstudio Koblenz. Klar, die Ladengeschäfte seien zu, doch durch die Werkstatt haben viele Musikalienhändler noch zu tun. Inwieweit das Kostendeckend sei, stehe natürlich auf einem anderen Blatt. „Aber immerhin gebe es etwas zu tun.“ Er selbst habe – und das rät er auch den Kollegen – einen Aufruf gestartet, doch mal die „Keller zu durchstöbern und der Werkstatt Instrumente zum Reparieren zu bringen.“ Schwierig wird es für Kolleginnen und Kollegen, die auf den Verkauf angewiesen sind und nun auf ein Medium setzen müssen, das sie gar nicht bedienen können, nämlich online. „Auch wir sind da überhaupt nicht gut aufgestellt“, gibt Jacobs zu. 

Tobias Jacobs (Bläserstudio Koblenz) und Klaus Härtel im Gespräch

Große Einbußen wegen Corona

Das Bläserstudio hat bereits gerechnet, Zahlen offengelegt und Kredite beantragt. Wir gehen davon aus, dass wir in der zweiten Märzhälfte einen Umsatzeinbruch von etwa 60 Prozent hatten und im April erwarten wir bis zu 80 Prozent Einbußen. Wie lange man das durchhält, hat Tobias Jacobs auch errechnet. „In der zweiten Junihälfte müssten wir aus rein rechtlichen Gründen die Hand haben.“

Hilfen vom Staat können hilfreich sein und auch das Bläserstudio hat bereits Soforthilfen beim Land Rheinland-Pfalz beantragt. Als das Gespräch stattfand – 2. April – war allerdings noch keine Antwort gekommen. „Diese Soforthilfe ist für die kurzfristige Liquidität sicherlich hilfreich, für die Miete beispielsweise.“ Man sei dankbar für jeden Strohhalm. Wichtig sei zu wissen: Das Geld bekäme man „zwar zunächst geschenkt, muss aber trotzdem versteuert werden.“ Der beantragte Kreditrahmen sei weitreichend analog zur Kurzarbeit erfolgt. Diese nämlich hat Jacobs zunächst bis Ende August beantragt. „Ob das reicht oder ob das am Ende notwendig ist, wird sich zeigen. Aber wir sind gewappnet und werden das durchstehen. Vielleicht lernen wir ja auch was daraus.“ 

Seine eigene Politik wird er nicht ändern. „Um das Testen kommen wir ja nicht drum herum. Nur wegen Corona ist ja nicht das Testen überflüssig – es ist nur nicht erlaubt.“ Da der reguläre Verkauf von Instrumenten zum Erliegen gekommen ist, geht Tobias Jacobs die „Hilfe zur Selbsthilfe“ an. Damit möchte er die lehrenden Musiker unterstützen, denen ebenfalls der Umsatz weggebrochen ist, weil man ja nicht mehr unterrichten darf.

Diese Lehrer haben oftmals gar nicht das Knowhow, online zu arbeiten. Mittlerweile hat Tobias Jacobs den siebten Teil einer Sendung angedreht, die sich genau mit der Thematik beschäftigt. Gerade im Blasinstrumentenbereich seien die Herausforderungen – auch was den Ton angeht – da nicht eben gering. 

Unterstützung auf dem Online-Sektor

Welches Medium – Zoom, Skype, WhatsApp, Facetime – man dann verwendet, da will sich Tobias Jacobs gar nicht festlegen. „Ich habe festgestellt, dass es da von Tag zu Tag große Schwankungen gibt, was die Qualität angeht.“ Man müsse sich einfach darauf verlassen können, dass der Service zuverlässig funktioniert. Die größere Problematik entstehe in der Frage, wie man sein eigenes Signal aufbereite, damit der Zuhörer es sinnvoll erhält. „Wenn ich abhängig bin von der automatischen Gain-Anpassung eines Smartphones, werde ich mit meinem Lehrer über Dynamik nicht sprechen können.“ Auch über die korrekte Ausrichtung einer Webcam müsse man noch viel lernen. Ganz zu schweigen davon, dass ein Online-Unterricht ganz andere pädagogische Ansätze verfolgt, als der herkömmliche Unterricht. 

An der Stelle sei natürlich wichtig, nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler zu schulen. „Wir haben uns überlegt, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, die die Schüler nach Corona auch mieten können.“ Online-Unterricht sei eine Sache, „die wir als Lerneffekt aus der Krise mitnehmen wollen“. Die Krise auch als Chance. Tobias Jacobs sieht den Online-Unterricht durchaus als Möglichkeit, Musikunterricht wertvoller zu gestalten. Gut gemachter Online-Unterricht kann den herkömmlichen durchaus ergänzen. Natürlich hänge das von den Schülern ab. Bei jungen Anfängern komme man sicherlich um das persönliche Miteinander nicht drum herum. „Aber guter Online-Unterricht passt auch gut zu 2020!“

Und was wird aus dem Festival “Trompete Total” im Herbst? Die Ausschreibung verzögert sich aufgrund der erschwerten Planungen durch den CORONA Virus. Eigentlich wäre es nämlich ab Ostermontag damit losgegangen. Die ausführlichen Antworten gibt es im Video.