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Das Musikkorps der Bundeswehr mit „Feuer | Stille“ von Alexander Reuber

Das Musikkorps der Bundeswehr mit „Feuer | Stille“ von Alexander Reuber
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Foto: Bundeswehr / Penczynski

Mit der Uraufführung von „Feuer | Stille“ setzt das Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg seine Tradition thematischer Auftragswerke fort. Ein Werk, das sich dem Veteranentag und der existenziellen Frage widmet: Was bedeutet es, Soldat zu sein, und was bleibt von diesen Erfahrungen zurück?

Es gibt Eindrücke, die sich nur schwer vermitteln lassen: der feine Staub Afghanistans, das unerträgliche Durcheinander während eines Gefechts. Für Menschen ohne Einsatzerfahrung wirken diese Bilder oft abstrakt und fern. Die neue sinfonische Tondichtung von Komponist Alexander Reuber will diese Distanz überwinden, indem sie das Unsagbare fühlbar macht. Am 20. Mai 2026 bringt das Musikkorps der Bundeswehr das Werk im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum zur Uraufführung. (Tickets hier)

Der Abend steht im Zeichen des Nationalen Veteranentags und öffnet große symphonische Klangräume. Das Programm verbindet Filmmusik, konzertante Soundtracks und ausgewählte Werke zu einem Erlebnis von erzählerischer Kraft: Musik von John Williams und Patrick Doyle, Themen aus »Band of Brothers« und »Lone Survivor«, Stücke von Julie Giroux sowie »Invincible« – die Hymne der Invictus Games, interpretiert von Solistin Susan Albers. Kameradschaft, Mut, Trauer und Hoffnung ziehen sich als thematischer Leitfaden durch den Abend.

„Eine Begegnung auf Augenhöhe“

»Der Veteranentag ist noch jung in Deutschland. Wir wollen mit diesem Konzert zeigen, was dieser Tag sein kann«, sagt Oberstleutnant Timor Oliver Chadik, Leiter des Musikkorps. »Als Soldaten und Musiker spielen wir hier keine fremde Geschichte, sondern eine, die tief in unserer eigenen Identität verwurzelt ist. Das ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die man in jedem Takt spüren kann.«

Im Zentrum aber steht das eigens für diesen Anlass entstandene halbstündige Werk: »Feuer | Stille«. Ausgangspunkt ist das Leben von Hagen Vockerodt – ehemaliger Sanitätsoffizier, Veteran von zehn Auslandskontingenten und Autor des Buches »1638 Tage im Krieg: Die Kehrseite der Einsatzmedaille«. Es sind Erfahrungen, die weit tiefer gehen als das, was eine Uniform nach außen hin repräsentieren kann, und die Vockerodt mit einer entwaffnenden Offenheit beschreibt. 

Reuber hat diesen Lebensweg in intensiven Interviews erschlossen. Das kompositorisch Entscheidende: Originalaufnahmen dieser Gespräche sind fest in die Partitur integriert. Vockerodts Stimme tritt während des Orchesterspiels unmittelbar in den Klang ein – dokumentarisches Wort und Musik greifen ineinander. »Ich wollte keine Heldengeschichte inszenieren«, betont Alexander Reuber. »Mir ging es um eine musikalische Wahrhaftigkeit. Das war nur möglich, weil Hagen Vockerodt mir seine Erlebnisse ohne jede Beschönigung anvertraut hat. Nur aus dieser rohen Ehrlichkeit heraus konnte die Partitur ihre Kraft entfalten.«

Klangvielfalt des Blasorchesters

Das sinfonische Blasorchester erweist sich hierfür als ideales Medium. Von der massiven Wucht des Blechs bis zu fragilen Holzbläserlinien, von perkussiver Roheit bis zur absoluten Stille reizt Reuber die Klangvielfalt geschickt aus. Er stellt dem großen Klangkörper die schlichteste Gegenstimme gegenüber: die nüchterne, unpathetische Stimme eines einzelnen Menschen. Es entsteht ein beklemmender, fast intimer Dialog.

Musikkorps

Das Stück bleibt jedoch nicht im Schweren stehen. Es erzählt auch vom Weg zurück: Rehabilitation, die Invictus Games und der mühsame Aufbau von Resilienz. »Das Werk endet nicht mit dem Einsatz«, so Reuber. »Es endet dort, wo jemand wieder weiß, wer er ist.« 

»Feuer | Stille« formuliert damit einen klaren Anspruch an die Gesellschaft: hinschauen, zuhören, nicht wegsehen. Das Konzert, das gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Deutschen Bundeswehrverband gestaltet wird, ist zugleich ein Benefizabend: Künstlerischer Anspruch und konkretes Engagement bedingen sich hier gegenseitig.

Die Uraufführung findet am 20. Mai 2026 um 20 Uhr im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum statt; Karten sind über Reservix erhältlich. Wer nicht live vor Ort sein kann, erhält später die Gelegenheit zum Nachhören: Das Konzert wird aufgezeichnet und zum nationalen Veteranentag am 15. Juni 2026 über verschiedene Online-Kanäle veröffentlicht.

Andreas Bachmann