Die Orchestersprache eines Glenn Miller oder Count Basie ist heute pure Nostalgie. Selbst die Erfindungen von Bigband-Neuerern wie Quincy Jones, Gil Evans, Thad Jones oder Maria Schneider sind inzwischen Allgemeingut unter Jazz-Arrangeuren. Doch zum Glück lebt der nicht normierte Bigband-Wahnsinn immer fort. Hier sind sieben besonders verrückte Beispiele.
Die Heimat vieler wild-entfesselter Bigbands ist unser Nachbarland Frankreich. Aus dem südfranzösischen Toulouse kommt die kraftvolle Formation Initiative H, die ihre Alben erstaunlicherweise beim deutschen Label Neuklang veröffentlicht. 2014 erschien ihr Debüt „Deus Ex Machina“, drei weitere Scheiben folgten bereits. Die zwölfköpfige Bigband hat eine Vorliebe für häufige Tempowechsel, verzwickte Arrangements und monströs-düstere Klänge. Sie integriert in ihre Musik auch Rockriffs, stampfende Rhythmen, Electro-Sounds, post-punkige Gitarrenblöcke und psychedelische Vokal-Elemente. Der Journalist Klaus Halama sieht die Band „in der Mitte zwischen Jazz und Rock verortet“: „Es liegt eine abenteuerliche Spannung in der Luft.“ Der Kopf von Initiative H ist der 40-jährige David Haudrechy, ursprünglich ein klassischer Saxofonist. Neben dem Jazz zählt er Progressive Rock (zum Beispiel King Crimson) und die Musik der Romantik (zum Beispiel Berlioz) zu seinen wichtigsten Einflüssen. Haudrechy ist recht begabt darin, Unterstützer für seine Band zu mobilisieren – auf den Alben prangen bis zu 17 Logos.


