Als Dirigent bekommt man immer wieder neue Partituren auf den Tisch. So landete auch eines Tages die »Symphonie No. 1« des Schweizer Komponisten Thomas Trachsel bei Henrie Adams. Und er war überrascht, denn diese Sinfonie war auch eine – nicht nur dem Namen nach. Nach dem Partiturstudium war Henrie Adams begeistert. Und zwar so begeistert, dass er die 1. Sinfonie nicht nur aufführte, sondern dass er den Komponisten bat, auch eine zweite zu schreiben. Dieses Werk stellt Henrie Adams in dieser Serie vor:
Die »Symphonie No. 2« von Thomas Trachsel trägt den Titel »Von der Angst unserer Zeit«. Eigentlich hatte ich auf ein fröhliches, leichter greifbares Werk gehofft, als ich ihn bat, eine zweite Sinfonie zu schreiben. Daraus wurde nichts – und ich bin nicht traurig darüber. Thomas arbeitete daran, als seine Frau mit ihrem zweiten Kind schwanger war und verarbeitete seine Gedanken und Sorgen in dieser eindrucksvollen Komposition. Es müssen viele Sorgen gewesen sein, denn es wurde eine rund 35-minütige viersätzige Sinfonie im Schwierigkeitsgrad 6. Ein schöne Ehre ist es, dass Thomas Trachsel mir diese Sinfonie widmete.Thomas Trachsels Kompositionen zeichnen sich durch eine spätromantische Tonsprache aus, besonders diese Sinfonie. Wichtig ist aber, dass man nicht sagen kann, es klänge wie Mahler oder es klänge wie Bruckner. Es klingt wie Thomas Trachsel. Ich bin mir auch sicher, dass die Arbeit an der »Symphonie No. 2« viel von seinem Leben von ihm gefordert hat. Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen. Aber ich begreife, was er denkt. Denn er sagt es durch seine Musik.

