News, Newsletter | Von Stephan Niederegger

Drei Dirigenten. Drei künstlerische Wege. Ein gemeinsamer Abschluss.

Drei Dirigenten. Drei künstlerische Wege. Ein gemeinsamer Abschluss.
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Daniel Niederegger (Foto: Jana Fauster/Lichtraum

Unter dem Motto „Wind Perspectives“ wurden die Kulturbühne Ambach in Götzis (Vorarlberg) am vergangenen 22. Mai und – tags darauf – der Gustav-Mahler-Saal in Toblach zu Schauplätzen besonderer Konzertabende. Das Sinfonische Blasorchester Vorarlberg „Windwerk“ präsentierte gemeinsam mit den drei Dirigenten Jakob Augschöll, Daniel Muck und Daniel Niederegger ein Programm, das die Vielfalt sinfonischer Blasmusik eindrucksvoll hörbar machte. Für die drei Studenten waren die Konzerte zugleich Höhepunkt und Abschluss ihres Masterstudiums für Blasorchesterleitung am Konservatorium „Claudio Monteverdi“ in Bozen.

Alle Drei sind bereits fest in der Südtiroler und Österreichischen Blasmusikszene verwurzelt: Jakob Augschöll aus Luttach (Musikpädagoge, Komponist und Kapellmeister der Musikkapelle St. Lorenzen), Daniel Muck aus Wien (Musikpädagoge, Komponist und Dirigent der Waldviertler Symphoniker sowie stellvertretender Landeskapellmeister des Wiener Blasmusikverbandes) und Daniel Niederegger aus St. Jakob in Ahrn (Posaunist, Kapellmeister der Musikkapellen St. Jakob in Ahrn und St. Johann in Ahrn sowie der Stadtmusikkapelle Amras und stellvertretender VSM-Verbandskapellmeister).

Mehr als ein Prüfungsobjekt

Schon ab den ersten Takten war spürbar, dass das Konzert mehr sein wollte als ein Prüfungsprojekt. Die Musik wirkte nie aufgesetzt oder demonstrativ, sondern ehrlich erarbeitet und mit großer Hingabe gestaltet. Jeder der drei Dirigenten brachte seine eigene Handschrift ans Pult – mal kraftvoll und energiegeladen, mal detailverliebt und fein nuanciert, dann wieder mutig und überraschend in den Klangfarben. Gerade diese unterschiedlichen Zugänge machten den Reiz des Konzertabends aus.

Das Orchester zeigte sich dabei als ausgesprochen wandlungsfähig. Mit großer Präzision, aber auch hörbarer Spielfreude bewegte sich Windwerk durch unterschiedlichste musikalische Stimmungen und Stilrichtungen. Die klangliche Bandbreite reichte von monumentalen Klängen bis hin zu sensiblen, beinahe kammermusikalischen Momenten. Besonders beeindruckend war, wie selbstverständlich technische Brillanz und musikalischer Ausdruck ineinandergriffen.

Wind Perspectives
Daniel Muck (Foto: Jana Fauster/Lichtraum)

„Wind Perspectives“ treffend gewählt

Der Titel „Wind Perspectives“ erwies sich dabei als treffend gewählt. Das Konzert eröffnete verschiedene Blickwinkel auf die Blasmusik: traditionsverbunden und gleichzeitig modern, kraftvoll und zugleich feinfühlig, experimentierfreudig und dennoch zugänglich. Bekanntes und Unbekanntes, Altbewährtes und Uraufführungen standen nebeneinander und machten deutlich, wie vielfältig und lebendig sinfonische Blasmusik ist.

Immer wieder entstand jene besondere Konzentration, die nur dann spürbar wird, wenn Bühne und Publikum denselben Moment teilen. Die Begeisterung der Musikerinnen und Musiker übertrug sich unmittelbar auf den Raum. Gerade weil der Abend nicht über inszeniert wirkte, sondern musikalisch für sich sprach, blieb vieles nachhaltig in Erinnerung.

Am Ende gab es langen, ehrlichen Applaus – nicht nur für ein gelungenes Konzert, sondern auch für drei junge Dirigenten, die an diesem Abend eindrucksvoll ihr Können gezeigt haben. „Wind Perspectives“ war damit weit mehr als ein Konzertmotto: Es war ein musikalischer Blick in unterschiedliche Richtungen – und zugleich ein starker Ausblick auf die Zukunft dieser drei Musikerpersönlichkeiten. Zum Abschluss konnten sich die drei Studenten mit der Prüfungskommission über die Höchstpunktezahl und das Prädikat „Summa cum laude“ freuen.

Moderiert wurde der Abend von Katrin Berchtold, der neuen Obfrau des Orchesters. Mitfinanziert wurde das Projekt unter anderem von den Kulturabteilungen der Länder Vorarlberg und Südtirol. Der Abend machte deutlich, welches Niveau die Ausbildung im Bereich Blasorchesterleitung erreicht hat und wie stark die Südtiroler Blasmusikszene von gut ausgebildeten Dirigenten geprägt ist.

Wind Perspectives
Jakob Augschöll (Foto: Jana Fauster/Lichtraum)

Stephan Niederegger

Thomas Ludescher: „Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, bleiben für mich viele persönliche Erinnerungen an eine außergewöhnlich intensive gemeinsame Zeit – musikalische Offenheit, gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Diskussionen, künstlerische Neugier, Probenarbeit, Reflexion und unzählige Momente des gemeinsamen Lernens und Wachsens. Gerade die Verbindung von künstlerischer Praxis, individueller Entwicklung, offenem musikalischem Denken und gemeinsamer Reflexion macht den Studiengang in Bozen für mich besonders – und vieles davon wird auch in diesen Bildern sichtbar. Danke euch für das Engagement, die Offenheit, das Vertrauen und die gemeinsame Zeit.“

https://www.windwerk.at

Das Konzertprogramm:

Godspeed (Stephen Leonard Melillo) DN

Hymne der Zeit (Daniel Niederegger) JA

Blue Shades (Frank Ticheli) DM

Reminiscence (Kathryn Salfelder) DM

Extreme Make-over (Johan de Meij) DN

Poème Montagnard (Jan Van der Roost) JA

Three Washington Statues (Philip Sparke) JA

Phainomena (Daniel Muck) DM

Hajj (Stephen Leonard Melillo) DM

Chasing Freedom (Jakob Augschöll) DN

Das Studienfach:

2010 wurde am Musikkonservatorium „Claudio Monteverdi“ in Bozen auf Initiative des Verbandes Südtiroler Musikkapellen in enger Zusammenarbeit mit dem Konservatorium sowie dem römischen Bildungsministeriums und dem Bildungsreferat des Landes Südtirol der Studiengang für Blasorchesterleitung eingeführt. Damit war das Ziel erreicht, die höchste Ausbildungsstätte des Landes in die Blasmusik einzubinden. 2019 wurde das Bachelor-Studium um den Master-Lehrgang erweitert. Nach Thomas Doss (2011-2016) und Walter Ratzek (2016-2019) wurde 2020 der aus Vorarlberg stammende Dirigent, Komponist und Musikpädagoge Thomas Ludescher an den Lehrstuhl berufen.