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Das Eidgenössische Musikfest (EMF) in Biel war ein voller Erfolg

Das Eidgenössische Musikfest (EMF) in Biel war ein voller Erfolg
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Foto: Roger Stöckli – www.rsfilm.ch

Nachdem das in der Regel alle fünf Jahre stattfindende Eidgenössische Musikfest (EMF) im Jahr 2021 coronabedingt ausfallen musste, warteten die Schweizer Blasmusikerinnen und Blasmusiker zehn Jahre, um am Himmelfahrtswochenende 2026 endlich die 35. Ausgabe feiern zu können. Es sollte eigentlich in Interlaken stattfinden, doch nur 18 Monate vor dem Anlass zog das dortige Organisationskomitee zurück. Biel/Bienne, die zweisprachige Stadt im Kanton Bern, sprang ein. Mit Nadja Günthör wurde eine fähige und ambitionierte OK-Präsidentin gefunden – und das Ergebnis war ein voller Erfolg.

Für alle Nicht-Schweizer ein paar Zahlen zur Einordnung der Schweizer Szene und des Eidgenössischen Musikfests. Im Schweizer Blasmusikverband SBV sind 1972 Vereine organisiert. Der SBV ist Dach von 30 Blasmusikverbänden. Herzstück des EMF sind traditionsgemäß die verschiedenen Wettbewerbe für die Blasorchester und Brass Bands. Genau 532 Vereine mit knapp 25.000 Musiker:innen haben sich in 13 Konzertlokalen (keine Turnhallen! Alle mit Bühnen) und 2 Paradestrecken den Ohren und Augen von 124 Experten (12 Jurorinnen, 112 Juroren) aus allen vier Sprachregionen der Schweiz, sowie aus Deutschland, Norwegen, den Niederlanden, Frankreich und Spanien in verschiedenen Wettbewerben gestellt. Etwa 80% aller teilnehmenden Vereine stellten sich in der Parademusik den Experten. 

Auftragskompositionen

Die Experten waren in 57 Jury-Teams eingeteilt. Viele der Experten arbeiteten in unterschiedlichen Kategorien. Einige der Juroren traten mit ihren Orchestern selbst im Wettbewerb an. In den Konzertwettbewerben gab es jeweils 2 Teams à drei Personen die strikt getrennt das Aufgabenstück (Pflichtstück) und das Selbstwahlstück juriert haben. Obligatorisch wurde zuerst das Aufgabenstück aufgeführt – die Jury des Selbstwahlstücks hörte diese Darbietung nicht. Die Aufgabenstücke in der Konzertwertung und der Unterhaltungsmusik (Höchstklasse Harmonie, 1. – 4. Klasse Harmonie, Brass Band Höchstklasse, Brass Band 1. – 4. Klasse, Unterhaltungsmusik Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe) waren ausschließlich (!!!) Auftragskompositionen, die der SBV speziell für das EMF 2026 vom SBV in Auftrag gab. Also, alles brandneue Werke! 

Das Organisationskomitee des Musikfests bestand aus 16 Persönlichkeiten, die jeweils einen Bereich verantworteten und ihrerseits wieder Unterstützer in ihren Teams hatten. 

Vorbereitung

Wie wichtig das Eidgenössische Musikfest für die Blasorchester in der Schweiz ist und wie ernst die Vorbereitung dafür genommen, zeigt die Dirigentin Karin Amacher-Wäfler, die mit der Stadtmusik Langenthal und der Musikgesellschaft St. Urban antrat:

„Zehn Wochen vor dem Wettbewerb erhielten alle Vereine ihr Aufgabenstück. Es galt, einen ausgewogenen Probeplan zu gestalten, damit jede Probe so sinnvoll wie möglich genutzt werden konnte. Der Fokus lag über gut zwei Monate fast ausschliesslich auf zwei Werken. Zum einen konnte der Verein wirklich tief in diese Musik eintauchen. Allerdings war es auch herausfordernd, die Motivation dafür hoch zu halten. Ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung waren die Probenaufnahmen, die ich jeweils zu Hause sorgfältig analysierte. Auf dieser Grundlage passte ich die kommenden Proben gezielt an, setzte Schwerpunkte neu und arbeitete konsequent an Balance, Intonation, rhythmischer und technischer Präzision sowie musikalischer Linie. Diese systematische Vorgehensweise führte zu einer stetigen Verbesserung und zu einem klaren gemeinsamen Klangbild.

Zusätzlich wurden für jedes Register professionelle Registerdozenten engagiert, die in zwei spezialisierten Registerproben wertvolle Impulse gaben. Diese Inputs reichten von technischen Feinheiten über stilistische Hinweise bis hin zu Fragen der Klangästhetik – ein Gewinn für jedes einzelne Register und für das Gesamtensemble. Ein weiterer Meilenstein war die Teilnahme an einem Vorbereitungsevent mit Expertise, bei dem sich beide Vereine erstmals einer externen Beurteilung stellten. Die beiden Experten gaben differenzierte Rückmeldungen, lobten Stärken und benannten klar die Bereiche, in denen noch Potenzial lag. Diese Rückmeldungen flossen in die weitere Probenarbeit ein und halfen, die musikalische Interpretation weiter zu schärfen.“

Ein Schweizer Uhrwerk

Diese akribische Vorbereitung von Blasorchestern wie sie Karin Amacher-Wäfler durchführte ist keineswegs ein Einzelfall. Die meisten Teilnehmer-Ensembles gehen in dieser Weise vor.

Bei 532 teilnehmenden Musikvereinen ist es ziemlich schwierig einen umfassenden Eindruck der Wettbewerbe und dem umfassenden Rahmenprogramm zu geben. Durchgängig lobte man die Organisation des EMF 2026. Juror Peter Kleine Schaars spricht von der Organisation: „präzise wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Die Bandmanagerin des Blasorchesters Stadtmusik Luzern, Caroline Krattiger: „Als Bandmanagerin des BOSL möchte ich den Organisatoren ein grosses Lob aussprechen. … Danke an die vielen kleinen und grossen Helfer:innen, welche dieses Fest auf die Beine gestellt haben, ihr habt einen grossartigen Job gemacht“. 

Musikfest können die Schweizer!

In der Stadt Biel/Bienne war an alles gedacht. Die Stadt war durchgängig beflaggt, beschildert und mit Werbebannern geschmückt. Sogar die Schaufenster waren großflächig beklebt. Kostenfreier öffentlicher Nahverkehr war selbstverständlich. Die vielen Helfer:innen vor Ort in den Wettbewerbslokalen, bei den Bühnen und auf der Straße waren bestens instruiert, leisteten super Arbeit und waren ständig gut gelaunt, ohne auch nur ein Hauch von Stress auszustrahlen. Eins ist sicher: Musikfest können die Schweizer!

Bei den Konzertwettbewerben des Musikfests wurde in allen Klassen auf hohem Niveau musiziert. Exemplarisch die Aussage der Jurorin Ruth Suppiger: „Musikalisch durfte ich viele gut vorbereitete Orchester erleben. Die Qualität der Vorträge war sehr erfreulich, es gab zahlreiche schöne Momente und generell eine sehr positive Atmosphäre in den Konzertlokalen.“ Sie äußert sich auch zur Zusammenarbeit in den Jury-Teams positiv: „Die Zusammenarbeit im Jury-Team war ausgesprochen angenehm und unterstützend. Die Diskussionen waren konstruktiv und immer darauf ausgerichtet, den Vereinen wertvolle Rückmeldungen mitzugeben. Besonders spannend war zu sehen, wie wir uns in unseren Einschätzungen und Punktzahlen eigentlich immer einig waren.“ Jedes Orchester erhielt beim EMF 2026 nicht nur die Punktzahl für Aufgaben- und Selbstwahlstück, sondern auch einen kurzen Jury-Bericht mit wertvollen Hinweisen. 

Volle Säle

Die 13 Wettbewerbslokale des Musikfests waren alle durchweg gut besucht. Bei den Vorträgen der beiden „Königsklassen“ im Kongresshaus – Höchstklasse Harmonie und Höchstklasse Brass Band – war der Besucher-Andrang so groß, dass nicht einmal alle Interessierten in den 1.080-Plätze-Saal hineinkamen. 

Publikumsmagnet war die Parademusik, die auf zwei Paradestrecken in der Stadt stattfand. Expertin Johanna Bergert berichtet über ihre Tätigkeit:

„Zur Vorbereitung auf den Wettbewerb ist es relevant, das Jury-Reglement der Parade gut zu kennen, sowie das Programm von Vereinen, welche Evolutionen durchführen, zu studieren. Die aufgeführten Märsche sind dem Jury-Team oft bestens bekannt. Wenn es los geht, fordert eine faire Bewertung der Vereine den Jury-Mitgliedern viel ab, insbesondere, wenn das Musikalische und die Präsentation gleichzeitig bewertet werden muss. Der Zeitplan hochfrequent getaktet, schreiten die Vereine in Biel auf der Zentralstrasse zackig voran und höchste Konzentration ist gefragt. Damit möglichst alle zu bewertenden Faktoren mehr als einmal wahrgenommen werden können, werden die Musizierenden über eine längere Strecke begleitet. Besonders wichtig ist dies zur Beurteilung der Ausrichtung. War ein Glied vielleicht zuvor noch nicht perfekt ausgerichtet, kommt es womöglich paar Sekunden später auf einer schnurgeraden Linie daher.


Vor lauter Hinschauen darf als Experte/Expertin nicht vergessen werden, auch die musikalischen Aspekte zu verfolgen. Schöne musikalische Bögen, interessante dynamische Gestaltung und technisch und artikulatorisch erfrischend-lüpfig vorgetragene Musik trägt – bei guter Intonation – zu einer hohen Bewertung bei. Am Schluss gilt es abzuwägen, welcher Faktor wie stark gewichtet werden soll – für mich auch nach einigen Jahren Erfahrung eine der grössten Herausforderungen.
Eine Rücksprache mit den anderen Jurierenden ist während des Wettbewerbes nicht möglich, weder die Zeit noch die örtliche Distanz lassen dies zu. Man bleibt mit der Vergabe der Punktezahl sich selbst überlassen. Der Austausch im Juryteam erfolgt im Nachgang. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit und der Qualitätssicherung – stets sehr wertschätzend und respektvoll sowohl gegenüber den erbrachten Leistungen der Musizierenden als auch innerhalb des Jury-Teams.“

Das Schweizer Fernsehen SRF übertrug die Wettbewerbe in der Parademusik im Livestream auf der Website des Schweizer Fernsehen SRF. Diese sind auch jetzt noch abrufbar. 

EMF
Fotos: Roger Stöckli – www.rsfilm.ch

Tagsüber und abends Unterhaltungskonzerte

Auf mehreren Plätzen in Biel/Bienne fanden tagsüber und abends Unterhaltungskonzerte statt. Bei der Auswahl der Acts war es Matt Stämpfli (Teamleiter Entertainment) wichtig, unterschiedliche Stilrichtungen und Formate abzubilden. Ein zentrales Kriterium war dabei, dass jede Formation einen Bezug zu Blasinstrumenten hat, aber kein Blasorchester sein muss. Jessica Wipfli, Teammitglied Entertainment, erzählt von ihren Erlebnissen: „Nach Monaten der Vorbereitung war es beeindruckend, die vielen Acts endlich zu erleben und zu sehen, wie die verschiedenen Programmpunkte vom Publikum angenommen wurden. Besonders berührt haben mich die zahlreichen positiven Reaktionen von Künstlern, Musizierenden, Besuchenden und Freunden. Natürlich sieht man im Organisationskomitee oft zuerst die Dinge, die noch nicht perfekt sind oder die kurzfristig gelöst werden müssen. Umso schöner war es zu spüren, dass für die meisten Besuchenden genau das im Vordergrund stand, was wir erreichen wollten: Musik, Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse.“

Die Präsidentin des Schweizer Blasmusikverbands, Luana Menoud-Baldi zeigt sich über das EMF aus gutem Grund sehr zufrieden:

„Die strahlenden Gesichter, die Freude, die musikalische Begeisterung jedes einzelnen Musikvereins zu sehen, ist meine größte Zufriedenheit. Denn dieses EMF gehört jedem Mitglied, jeder/m Dirigent:in, jedem Vorstand und jeder Familie. Wir wollten ihnen ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis darbieten, das ihrem Engagement, ihrer Leidenschaft und ihrer musikalischen Aktivität gerecht wurde. Und das OK-Biel/Bienne hat es geschafft. Als Verbandspräsidentin bin ich sehr stolz und dankbar. Und doch bleibt über allem etwas anderes: das Menschliche. Der Zusammenhalt. Die gemeinsame Begeisterung. Genau das macht ein EMF aus.“

EMF
Fotos: Roger Stöckli – www.rsfilm.ch

https://www.emf26.ch