Brass | Von Jochen Mettlen

Frans Violet: Magier, Tüftler, Zauberer der Brassband Willebroek

Frans Violet: Magier, Tüftler, Zauberer der Brassband Willebroek
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Foto: Brassband Willebroek

Zwei Mal Weltmeister, vier Mal Europameister und 24 Mal belgischer Meister: Eine beeindruckende Titelsammlung, die Frans Violet mit der Brassband Willebroek eingespielt hat. Seit 47 Jahren leitet der Belgier das Spitzenorchester und denkt mit 71 Jahren noch lange nicht ans Aufhören. In diesem Jahr stehen die Titelverteidigungen bei der EM in Linz und der WM in Kerkrade auf dem Programm.

»2026 wird ein intensives und arbeitsreiches Jahr«, lacht Frans Violet, als wir ihn in Willebroek, auf halber Strecke zwischen Brüssel und Antwerpen gelegen, besuchen. »Wir möchten natürlich unsere Titel bei der EM in Linz und der WM in Kerkrade verteidigen. In den vergangnen 25 Jahren waren wir bei der EM immer unter den Top 5. Aber das hängt ja auch von der Jury ab«, scherzt der sympathische Belgier. Ein Jahr mit EM, WM, British Open und einer Reihe von Konzerten, unter anderem ein Doppelkonzert mit Black Dyke, zeugen von den hohen Ansprüchen, die man bei der Brassband Willebroek hat. Aber Frans Violet bleibt immer bescheiden und mit beiden Füßen auf dem Boden. »Es ist nicht immer leicht, bei den Proben und Konzerten das musikalische Niveau zu erreichen. Da muss man auch Geduld haben.«

In Linz spielen die Belgier als Pflichtwerk »Mirage« von Jan de Haan. Als Wahlwerk interpretieren sie »Orpheus & Eurydice« des belgischen Komponisten Stijn Aertgeerts, der auch Bassist der Brassband Willebroek ist. »Damit geben wir unserem Auftritt eine eigene Note. Dieses Werk spielen wir auch beim WMC in Kerkrade. Bei der WM führen wir noch zwei weitere Eigenproduktionen auf. Zum einen ›Frokko 5‹ unseres Bassposaunisten Wim Bex und das Einspielwerk, das mein Sohn Lode geschrieben hat.«

1979 fing alles an

Angefangen hat alles 1979. Frans Violet gründet die Brassband Willebroek als Orchester der Musikakademie Willebroek. »Ich hatte 12, 13 Instrumentalschüler, darunter einige Cousinen und Cousins von mir. So hat alles angefangen. Ich stelle mir die Frage, weshalb das nicht mehr Musikschulen machen. Man muss ja nicht direkt eine komplette Besetzung haben«, erklärt Violet. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein und die Brassband Willebroek entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem herausragenden Konzert- und Wettbewerbsorchester, der besten Brassband Belgiens und einer der besten und renommiertesten weltweit.

Frans Violet
Frans Violet (Foto: Brassband Willebroek)

Über all diesen Erfolgen steht Frans Violet, der Magier, Tüftler und Zauberer. »Das Erfolgsrezept wohl, dass ich viele unserer Musiker selbst ausgebildet habe. Was Sound, Musikalität und Spielweise angeht, denken wir alle gleich. An meinen Bewegungen sehen die Musiker, was ich will«, sagt Violet. »Ja, ich werde manchmal als Zauberer bezeichnet. Ich vergleiche es gerne mit der Malerei. Auch in der Musik arbeitet man bis zum letzten Moment an Details, um die Musikalität zu verbessern. Wenn wir den Zuhörern mit unserer Aufführung eine Träne entlocken können, weiß ich, dass es gut war und wir sie erreicht haben.«

Um auf diesem Top-Niveau spielen zu können, ist viel Arbeit und Fleiß gefragt. Die Brassband Willebroek zählt 35 Musiker, darunter Berufsmusiker, Musikstudenten und ambitionierte Amateurmusiker. Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren ist es ein recht junges Orchester. »Mittlerweile spielt die dritte Generation in der Brassband. Aufgrund unserer Erfolge bleiben die meisten 15 bis 20 Jahre. Früher blieben die Musiker etwas länger, das gehört zum Erfolg auch dazu«, ist Frans Violet auch selbstkritisch.

Kamen früher die Musiker meist aus dem direkten Umfeld der Musikakademie Willebroek, hat sich das Einzugsgebiet im Laufe der Jahre erweitert. Der Erfolg zieht natürlich gute Musiker an. »Aber auch für uns wird es etwas schwieriger, neue Musiker zu finden. Weltweit sehe ich die Zukunft weniger rosig, weil in vielen Ländern immer weniger Geld in die Musikausbildung fließt. In Großbritannien beispielsweise ist das Niveau in meinen Augen gesunken.«

Im Gegensatz dazu scheinen Niveau und Schwierigkeitsgrad der Brassband-Stücke ständig weiter zu steigen. »Das stimmt, die Werke werden immer schwieriger und technischer. Das tut der Musik nicht immer gut. Ich denke, dass diesbezüglich ein Umdenken eingesetzt hat, quasi ein Schritt zurück zu guter Musik. Wir brauchen keine 20000 Noten pro Stück«, lacht Violet. 

Zu den Markenzeichen der Belgier zählt auch die äußerst enge und kompakte Sitzordnung. »Je enger man sitzt, desto besser hört man die Mitspieler. Deshalb kann ich die Sitzordnung bei einigen britischen Brassbands nicht ganz nachvollziehen. In manchen Sälen kann die kompakte Sitzordnung auch klangliche Nachteile mit sich bringen, das muss man alles abwägen.«

Befragt zu seiner Zukunft, meint der 71-Jährige: »Die Leitung der Brassband ist sehr zeitintensiv und als Rentner habe ich mehr Zeit als früher, auch wenn ich noch an der Musikakademie in Willebroek unterrichte. Es macht mir noch sehr viel Spaß und so lange die Gesundheit mitspielt, werde ich die Brassband dirigieren.«

Die Nachfolge ist derweil geregelt. »Mein Sohn Lode wird das Ensemble übernehmen. Er ist sehr talentiert und dirigiert die Young Brassband Willebroek, unser Nachwuchsorchester«, so Violet. Damit bleibt das Projekt Brassband Willebroek in Familienhand, was zweifelsohne für Qualität und Kontinuität steht. Befragt zu seinen Zukunftswünschen, meint Frans Violet abschließend: »Mit der Brassband in großen Sälen spielen. Der Wunsch, endlich ein größeres Probelokal zu bekommen, geht jetzt in Erfüllung.«

Frans Violet & die Brassband 

Die Grundausbildung in Notenlehre, Trompete, Klavier und Schlagzeug machte Frans Violet an der Musikakademie Willebroek. Danach studiert er Musik am Königlichen Musikkonservatorium Antwerpen. Als Trompeter spielte er im Brüsseler Opernhaus La Monnaie/De Munt und später im BRT-Rundfunkorchester. 1979 gründete Frans Violet die Brassband Willebroek und ist seither deren Dirigent. Fünf Jahre später entschied er sich dazu, Vollzeit an der Musikakademie Willebroek Blechbläser zu unterrichten. Zudem war Violet Dozent am Lemmensinstitut in Leuven und am Konservatorium in Antwerpen. 2016 verlieh die Stadt Willebroek ihm den Ehrenbürgertitel.

Die Brassband Willebroek ist ein Konzert- und Wettbewerbsorchester mit 35 Musikern. Neben den 2 WM-, 4 EM- und 24 belgischen Landesmeistertiteln hat das Ensemble auch mehrere offene Meisterschaften gewonnen und bei diversen Wettbewerben Topergebnisse erzielt. 1993 gewann die Brassband Willebroek in Plymouth ihren ersten EM-Titel. Eine Premiere, denn damals war Willebroek das erste »Kontinental-Orchester«, das den begehrten Titel gewann. Und Frans Violet war der erste Dirigent, der als Europameister nicht von der Insel kam. 

Mit der Young Brassband Willebroek (YBBW) haben die Flamen auch ein Jugend- und Ausbildungsorchester, dessen Leitung Frans Violet 2017 an seinen Sohn Lode übergeben hat. Die YBBW war dreimal europäischer Jugendmeister und belegte in den unteren Klassen der belgischen Brassband-Meisterschaften mehrfach Platz eins. Daneben sind auch die BBW Academy und der Solistenwettbewerb Teil der Jugendförderung bei der Brassband Willebroek. 

www.brassbandwillebroek.be