Bei 25 Prozent liegt der Gender Pay Gap bei den freien künstlerischen Berufen, der branchenübergreifende Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei 16 Prozent. Die wirtschaftliche Lage freischaffender Musikerinnen und Musikerinnen bleibt dabei noch angespannter – und sie ist weiterhin deutlich von geschlechtsspezifischer Ungleichheit geprägt. Aktuelle Zahlen der Künstlersozialkasse (KSK) zeigen: Die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen in der Musik ist erneut gewachsen. Das hat die Gewerkschaft ver.di in einer Pressemitteilung bekanntgeben.
Frauen verdienen über 5000 Euro weniger im Jahr
Der Gender Pay Gap unter solo-selbstständigen Musikerinnen und Musikern liegt inzwischen bei 27 Prozent – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Damit fällt die Lücke deutlich höher aus als der branchenübergreifende Gender Pay Gap in Deutschland (16 Prozent).
Musikerinnen erzielen durchschnittlich 13.859 Euro pro Jahr aus freiberuflicher Tätigkeit. Männer kommen auf rund 19.078 Euro. Die Differenz beträgt 5.219 Euro jährlich. Während die Einkommen von Frauen zuletzt um zwei Prozent gestiegen sind, legten die Einkommen der Männer um vier Prozent zu – die Schere öffnet sich also weiter. Die Zahlen beruhen auf Einkommensprognosen, die Versicherte bei der KSK melden. Es handelt sich um den sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap.
Komposition bleibt Männerdomäne
Besonders groß ist die Ungleichheit im Bereich Komposition. Nur 13 Prozent der bei der KSK versicherten Komponisten sind Frauen. Sie verdienen im Schnitt nicht einmal halb so viel wie ihre männlichen Kollegen.
Auch bei Librettistinnen und Textdichterinnen fällt die Differenz deutlich aus: Hier liegt der Gender Pay Gap bei 56 Prozent.
Hoher Frauenanteil – dennoch große Lücke
Ein hoher Frauenanteil schützt offenbar nicht automatisch vor Einkommensungleichheit. Bei Sängerinnen und Sängern liegt der Gender Pay Gap über dem Durchschnitt der Musikbranche, obwohl hier mehr Frauen als Männer registriert sind.
Eine Ausnahme bilden Musiklehrkräfte. In dieser Gruppe beträgt die Einkommenslücke 12 Prozent und liegt damit unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Gegenüber dem Vorjahr ist sie leicht gesunken.
Strukturelle Faktoren und prekäre Einkommen
Als Ursachen gelten unter anderem fehlende Honortransparenz, zunehmender Konkurrenzdruck durch Kürzungen im Kulturbereich sowie strukturelle Ungleichheiten bei Sorgearbeit. Verlässliche Daten zur tatsächlichen Arbeitszeitverteilung in der freien Musikszene gibt es nicht.
Unabhängig von Geschlechterunterschieden zeigt sich jedoch ein grundlegendes Problem: Mit durchschnittlichen Jahreseinkommen deutlich unter 20.000 Euro bleibt eine nachhaltige soziale Absicherung für viele freischaffende Musikerinnen und Musiker schwierig. Rücklagen, Altersvorsorge oder Ausfälle bei Krankheit lassen sich auf dieser Basis kaum abfedern.
Forderung nach verbindlichen Standards
Diskutiert werden transparente Honorarstandards und stärkere kollektive Vereinbarungen, insbesondere bei öffentlich geförderten Projekten. Verbindliche Mindesthonorare könnten helfen, Einkommensdumping zu verhindern und strukturelle Ungleichheiten zu verringern.
Die aktuellen Zahlen zeigen: Während Fragen von Diversität und Sichtbarkeit in der Musikbranche präsenter werden, bleibt die ökonomische Gleichstellung eine offene Baustelle.
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