Brass, Orchestra, Wood | Von Melina Paetzold

Kurz vor dem Konzert: Das ist beim Üben besonders wichtig

Kurz vor dem Konzert: Das ist beim Üben besonders wichtig
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Steht bei dir vor der Sommerpause ein wichtiges Konzert an? Dann hast du vielleicht auch gerade Sorge, nicht genug Zeit zum Üben zu haben, im Orchester nicht mithalten zu können oder anderen durch Unsicherheiten zur Last zu fallen? Gerade kurz vor dem Konzert steigt schnell der innere Druck, dass alles plötzlich funktionieren soll, oder? 

Aber wusstest du, dass zu viel »Detail-Reparaturen« jetzt sogar schaden können? In diesem Artikel erfährst du, wie du dein Üben in der Endphase sinnvoll umstellst und worauf du dich gerade bei wenig Übezeit konzentrieren solltest.

Bereit? Dann lass uns starten!

Häufigste Fehler beim Feinschliff

Viele Musiker und Musikerinnen wollen vor dem Konzert noch Sicherheit gewinnen, indem sie schwere Stellen reparieren und einzelne Details üben – dazu gehören etwa schnelle Läufe, große Sprünge oder andere technische Schwierigkeiten. Dafür ist es aber so kurz vor dem Konzert eher zu spät, denn technisch schwierige Stellen brauchen meist Zeit, um zu wachsen und sich entwickeln zu können. Außerdem entsteht so oft ein kontrolliertes, angespanntes Spiel, das vom ständigen Stoppen und der Möglichkeit, korrigieren zu können, geprägt ist.

Sollten bei dir noch einige Stellen übrig geblieben sein, die du jetzt üben wolltest, dann verzweifle nicht direkt. Bestimmt lässt sich noch die ein oder andere retten. Für die nächste Vorbereitung auf ein Konzert würde ich dir jedoch empfehlen, diese Details wesentlich früher und auch über einen längeren Zeitraum anzugehen, also mehrere Wochen oder sogar Monate. 

Kurz vor dem Konzert geht es mehr darum, einzelne Bausteine wieder miteinander zu verbinden und in einen natürlichen Fluss zu bringen. Dafür ist ein Punkt besonders wichtig.

Strategie 1: Konzertnah üben in größeren Einheiten

In den letzten Wochen vor dem Konzert lohnt es sich, das eigene Üben stärker an die tatsächliche Konzertsituation anzupassen. Hierbei ist das ständige Unterbrechen und Korrigieren nicht mehr so hilfreich. Besser ist es, sich größere Abschnitte vorzunehmen und zu schauen, wie die Dinge im Zusammenhang funktionieren. Bei besonders anstrengenden oder schwierigen Stücken würde ich sogar dazu raten, durchzuspielen.

Besonders hilfreich kann jetzt sein:

  • nach kleinen Fehlern nicht sofort zu stoppen,
  • größere Abschnitte am Stück zu spielen,
  • sich bewusst nur „einen Versuch“ zu geben,
  • und an verschiedenen Stellen im Stück einzusteigen.

In dieser Phase geht es weniger darum, einzelne Details ständig zu korrigieren, sondern die Musik als Ganzes sicher und fließend zu erleben.

Strategie 2: Schwere Stellen »wach« üben

Was machst du mit den schweren Stellen? Sollst du diese extra üben? Unbedingt! Ich würde dir sehr dazu raten, die schweren Stellen weiter und genau zu üben. Dabei hat sich für mich nicht die Häufigkeit des Wiederholens als besonders wirkungsvoll in puncto Sicherheit erwiesen, sondern ein waches und bewusstes Üben. Und das ist gar nicht so einfach, gerade weil wir diese Stellen schon so oft gespielt haben und der Kopf hier gerne abschalten möchte.

Was mir hilft, um wach zu bleiben: 

Damit meine Sinne wach bleiben und ich bis zum Konzert frische Reize für Ohr, Gehirn und Bewegungslernen setze, übe ich die Stellen in verschiedenen Varianten. Das können zum Beispiel unterschiedliche Artikulationen oder Rhythmen sein. Hier ist deiner Kreativität keine Grenze gesetzt und das Üben ist so auch nicht so langweilig. 

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Vorbereitung! 

Frohes Üben!

Melina

Melina Paetzold 

Ich bin Melina – Musikerin, Musikpädagogin und Wissenschaftlerin. (Foto: Karoline Wolf)

Ich begleite Musikerinnen und Musiker dabei, ihr eigenes Üben besser zu verstehen. Denn ich bin überzeugt: Wer versteht, wie Lernen funktioniert, findet leichter seinen eigenen Weg und erlebt Musik mit mehr Freude, Sicherheit und Gelassenheit.

In dieser Kolumne verbinde ich wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus dem musikalischen Alltag. Dabei geht es nicht um den nächsten Übetrick, sondern um Gedanken und Impulse, die dir helfen, dein Üben nachhaltig zu verändern.

Besser üben. Mehr Musik erleben.

www.melinapaetzold.de