Brass, Wood | Von Klaus Härtel

MusikHeroes: Mit Superkräften gegen den Übe-Frust

MusikHeroes: Mit Superkräften gegen den Übe-Frust
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Klassische Bläserpädagogik trifft auf Superhelden-Power: Die MusikHeroes wirbeln den Instrumentenunterricht ordentlich auf. Wir haben mit den Machern Christian Wieder, Bernhard Holl und Rupert Hörbst darüber gesprochen, warum Begeisterung wichtiger ist als trockene Technik und wie man Schülern die „Geilheit“ auf Musik zurückgibt. Ein Gespräch über mutige Pfade und die Liebe zur Musik.

Idee: Was war der ausschlaggebende Impuls, die klassischen Pfade der Bläserpädagogik zu verlassen und eine Welt mit eigenen Superhelden-Charakteren zu erschaffen?

    Nach rund 15 Jahren Unterricht merkt man irgendwann, dass vieles von dem, was es an Schulen und Literatur gibt, nicht ganz zu dem passt, was man selbst im Unterricht braucht – sei es im Fortschrittstempo, im inhaltlichen Aufbau oder auch im Bezug zu unserer alpenländischen Umgebung. Über die Jahre haben sich deshalb immer mehr eigene Übungen, Stücke und Konzepte angesammelt, die im Unterricht gut funktioniert haben, aber nie wirklich die Zeit da war, daraus ein rundes Gesamtwerk zu machen.

    Und dann kam Corona. Plötzlich war auf der Bühne Stillstand, aber im Kopf ging es umso mehr weiter. Diese gesammelten Ideen konnten endlich gebündelt und zu Papier gebracht werden – und in dieser Phase sind die MusikHeroes entstanden.

    Die Idee mit den Superhelden ergibt sich eigentlich ganz natürlich daraus, dass junge Musikerinnen und Musiker immer auf der Suche nach Vorbildern sind, die sie irgendwo gehört oder gesehen haben. Genau diese Rolle sollen unsere Figuren übernehmen – als greifbare, sympathische Identifikationsfiguren auf dem eigenen musikalischen Weg. Und ein ganz wesentlicher Punkt war von Anfang an der Humor, denn gerade in den Phasen, in denen der Fortschritt nicht sichtbar ist – und das ist beim Instrumentalspiel ja oft eher eine Treppe als eine gerade Linie – kann genau diese Leichtigkeit den entscheidenden Unterschied machen.

    MusikHeroes
    Didaktik: Inwiefern helfen die MusikHeroes-Charaktere den Schülern dabei, technische Hürden – wie zum Beispiel das tägliche Aufwärmen in WarmUps #1 – mit mehr Freude und Leichtigkeit zu überwinden? 
    Welche pädagogischen Prinzipien stehen hinter der Gestaltung der Hefte (z. B. Aufbau, Auswahl der Stücke, Kombination aus Technik und Spaß)?

      Unser didaktischer Zugang basiert auf einer ganz klaren Überzeugung: Zuerst muss die Begeisterung für das Instrument entstehen, diese gewisse „Geilheit“ auf die Musik – und erst dann darf die Technik folgen. Wenn man Schülerinnen und Schüler zu früh mit technischen Anforderungen überlädt, besteht die Gefahr, dass genau diese anfängliche Motivation verloren geht.

      Das bedeutet aber keineswegs, dass Technik unwichtig ist. Ganz im Gegenteil: Der Lehrer oder die Lehrerin muss vom ersten Ton an Luftführung, Ansatz und Klang im Blick haben und gegebenenfalls eingreifen – allerdings möglichst fein dosiert und oft so, dass es vom Schüler gar nicht als „Korrektur“ wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang sehen wir unsere Hefte auch nie als Ersatz für den Unterricht, sondern als didaktische Grundlage, auf der dieser aufbauen kann.

      Entscheidender Faktor für die Motivation

      Ein entscheidender Faktor für die Motivation ist der Zugang zur Musik selbst. Wenn ein Stück gefällt, wird es einfach lieber gespielt. Genau hier setzen wir an – unter anderem mit unseren Playalongs, die heute über QR-Code sofort verfügbar sind. Was früher mit CD-Player, langem Suchen und oft auch Frust verbunden war, ist heute ein unkomplizierter, direkter Zugang: scannen, anhören, mitspielen – mit oder ohne Solostimme, im eigenen Tempo und in hoher klanglicher Qualität. Das motiviert und führt ganz konkret zu mehr Übezeit.

      Der Aufbau der Reihe folgt dabei einem klaren roten Faden: vom Starter-Kit über die „Ohrwürmer“ als zentrale Instrumentalschule bis hin zu weiterführenden Heften mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten. Der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich, gleichzeitig bleibt aber Raum für individuelle Vorlieben – sei es Volksmusik, böhmische Blasmusik oder andere Stilrichtungen.

      Auch bei den WarmUps war uns wichtig, gewohnte Muster aufzubrechen. Anstatt immer derselben Übungen gibt es bewusst abwechslungsreiche Inhalte mit wechselnden Schwerpunkten, die dennoch sicherstellen, dass zentrale Bereiche wie Luft, Zunge und Ansatz regelmäßig trainiert werden. Ziel ist es, schon den Beginn der Unterrichtseinheit lebendig und interessant zu gestalten.

      Wenn Schülerinnen und Schüler ein Heft aufschlagen, sollen sie nicht nur Noten sehen, sondern Vertrautheit spüren, wiederkehrende Elemente erkennen und merken, dass hier mehr dahintersteckt – nämlich ein Zugang zur Musik als Ganzes.

      Wie unterstützen die MusikHeroes-Hefte den Instrumentallehrer dabei, den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten und die Schüler bei der Stange zu halten?

        Gerade in den ersten Unterrichtseinheiten hat jede Lehrperson ihre eigene Methode, um dem Instrument die ersten Töne zu entlocken. Deshalb war es uns wichtig, diesen Bereich bewusst offen zu lassen und nicht zu stark vorzugeben.

        Mit dem kostenlosen Starter-Kit bieten wir vielmehr eine mögliche Orientierung an, die flexibel genutzt werden kann und bereits mit Playalongs arbeitet, sodass Schülerinnen und Schüler auch zuhause eine klangliche Vorstellung entwickeln können.

        Grundsätzlich sind unsere Hefte so konzipiert, dass sie sich sehr unterschiedlich einsetzen lassen: Sie können als Ergänzung zu bestehender Literatur dienen oder als eigenständiges System verwendet werden, das von den WarmUps über die „Ohrwürmer“ bis hin zu den weiterführenden Heften reicht.

        In der Praxis zeigt sich oft, dass der Unterricht dadurch abwechslungsreicher wird und die Schülerinnen und Schüler länger motiviert bleiben. Natürlich kann auch die beste Literatur keine Wunder bewirken, wenn die intrinsische Motivation völlig fehlt – aber wir können sehr wohl Rahmenbedingungen schaffen, die diese Motivation begünstigen.

        Stilistik: Vom kostenlosen Starter-Kit bis hin zu BauernJazz deckt ihr eine enorme stilistische Breite ab. Wie gelingt es euch, die Balance zwischen traditioneller Blasmusik und modernen Rhythmen zu halten, ohne die pädagogische Linie zu verlieren?

          Die stilistische Bandbreite ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit und spiegelt auch unsere eigenen musikalischen Hintergründe wider, die von Volksmusik über Jazz bis hin zur klassischen Musik reichen. Diese Vielfalt möchten wir auch an die Schülerinnen und Schüler weitergeben.

          Wir glauben nicht an eine strikte Einteilung von Musik in voneinander getrennte Kategorien. Vielmehr sollte ein junger Musiker möglichst früh mit unterschiedlichen Stilrichtungen in Kontakt kommen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen.

          So kann es ganz bewusst passieren, dass im Unterricht unterschiedliche Stile direkt aufeinander folgen – vom WarmUp über ein einfaches Lied bis hin zu Oberkrainer, swingenden Stücken oder klassischen Etüden. Entscheidend ist dabei nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“: Die stilistische Umsetzung, insbesondere in der Phrasierung, unterscheidet sich oft deutlich und ist nicht immer vollständig in den Noten ersichtlich.

          Aus diesem Grund legen wir großen Wert auf stilistisch authentische Playalongs, die den Schülerinnen und Schülern ein klares Klangbild vermitteln und helfen, diese Unterschiede von Anfang an wahrzunehmen und umzusetzen.

          Unser Ansatz lässt sich vielleicht am besten so zusammenfassen: Die Wurzeln der Musik sollen respektiert werden, gleichzeitig möchten wir Offenheit fördern und vermeiden, dass sich junge Musiker zu früh auf eine einzige Stilrichtung festlegen.

          Zukunft: Welche musikalischen und persönlichen Kompetenzen sollen Schülerinnen und Schüler durch „MusikHeroes“ langfristig entwickeln – und wie sieht eure Vision für die Zukunft der Reihe aus? 

            Ihr kündigt mit Etüderln & CO eine Revolution des Etüden-Begriffs an. Was macht eure Etüden konkret ‚cooler‘ als das herkömmliche Unterrichtsmaterial?

            Mit dem BauernJazz wollt ihr das freie Improvisieren ohne Noten fördern. Warum ist diese Fähigkeit gerade für die heutige Generation von Musikschülern so wichtig für ihren persönlichen Erfolg?

            Welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler nach mehreren Jahren entwickeln, hängt natürlich immer auch vom individuellen Umfeld ab. Unser Ziel ist es jedoch, dass sie eine breite stilistische Erfahrung sammeln, eine echte Leidenschaft für Musik entwickeln und diese auch aktiv weitertragen – sei es im Ensemble oder im persönlichen musikalischen Umfeld.

            Die Vision dahinter ist, dass Musik nicht nur als Unterrichtsfach wahrgenommen wird, sondern als etwas, das langfristig Teil des eigenen Lebens bleibt. Denn genau das ist für uns der zentrale Punkt: Die Leidenschaft zur Musik begleitet einen ein ganzes Leben.

            Für die Zukunft haben wir noch zahlreiche Ideen, die zum Teil schon seit Jahren bestehen und nun schrittweise umgesetzt werden sollen. Dazu zählen unter anderem neue Hefte im Anfänger- und Fortgeschrittenenbereich, Solo-Literatur sowie Arrangements für kleinere Ensembles und größere Schülerblasorchester.

            Der aktuelle Fokus liegt auf einem Niveau bis etwa zum Leistungsabzeichen in Silber, wobei es durchaus denkbar ist, das Angebot in Zukunft auch auf höhere Schwierigkeitsgrade auszuweiten. Entscheidend ist für uns, die Entwicklung organisch wachsen zu lassen und weiterhin Inhalte zu schaffen, die sowohl musikalisch als auch pädagogisch sinnvoll sind.

            kurz & knapp 

            Die Serie „Musik Heroes“ bietet moderne Unterrichtsliteratur für Blasinstrumente: durchdacht konzipiert, spannend aufbereitet, humorvoll präsentiert und stilvoll begleitet. Für einen erfolgreichen Start empfehlen die Macher das kostenlose Starter-Kit, perfekt geeignet für deine allerersten Unterrichtseinheiten. Mit praktischen Übungen und hilfreichen Tipps legt man das Fundament für die musikalische Entwicklung.

            www.blasmusik-shop.de/MusikHeroes

            www.musikheroes.com