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Neues Projekt des Swiss Symphonic Wind Orchestra

SSWO

Vor einem Jahr hat Niki Wüthrich das Swiss Symphonic Wind Orchestra (SSWO) gegründet. Im zweiten Projekt gibt es nun neben Musik auch Bilder. Nach der erfolgreichen Premiere letzten Herbst plant das Orchester mit dem Programm “Transformationen” die zweite Konzerttournee im September mit Halt in der Tonhalle St.Gallen, der Kirche Neumünster in Zürich und dem Casino Frauenfeld. Zusätzlich zur konzertanten Aufführung von Werken wie Mussorgskijs “Bilder einer Ausstellung” oder Gershwins “Rhapsody in Blue” in einer Neufassung von Mathias Rüegg werden integrative Visuals des Multimediakollektivs pulp.noir für das künstlerische Gesamterlebnis sorgen. Ein Interview mit Niki Wüthrich

Das neue Programm des SSWO steht unter dem Motto “Transformationen”, Umwandlungen – was wird hier umgewandelt?

So einiges! Es fängt beim Image an, wie der Name Swiss Symphonic Wind Orchestra schon andeutet: Wir wollen zeigen, was jenseits der Bierzelt-Klischees möglich ist im Bereich der Blasmusik, wie facettenreich das sinfonische Repertoire ist. Auch sonst funktioniert das SSWO anders als traditionelle Blasmusiken. Wir sind semiprofessionell besetzt, neben Amateurtalenten sind rund 20 Profis dabei, die nicht nur punktuell zu Registerproben kommen, sondern mitspielen. Das gibt einen ganz anderen Austausch.

Bezieht sich das “Swiss” im Namen nur auf die Besetzung – oder auch auf die Programme?
Wuethrich
Niki Wüthrich (Foto: Christian Murer)

Schweizer Musik soll auf jeden Fall ein Schwerpunkt sein. Diesmal spielen wir zum Beispiel ein Stück des Entlebuchers Albert Benz, passenderweise eines mit dem Titel “Transformationen”. Benz war Mitte des letzten Jahrhunderts ein Pionier der sinfonischen Blasmusik. Mit “Recycling” aus der Feder des jungen Freiburger Dirigenten und Komponisten Benedikt Hayoz steht eine weitere Schweizer Komposition auf dem Programm.

Sinfonische Blasmusik ist ein relativ neues Genre. Wie kommen Sie zu Ihrem Repertoire?

Neben Originalwerken spielen wir Bearbeitungen, und wir vergeben jedes Jahr einen Werkauftrag. Diesmal hat der langjährige Vienna Art Orchestra-Leiter Mathias Rüegg eine neue Version von Gershwins “Rhapsody in Blue” geschrieben, das Klaviersolo hat sich dabei in ein Marimbasolo verwandelt. Das Stück führt sozusagen durch die ganze Jazzgeschichte; es klingt mal nach Dixie, dann wieder fast nach Funk – sehr cool.

Neben der “Rhapsody in Blue” gibt es noch einen zweiten Hit im Programm, die “Bilder einer Ausstellung”. Weil dort Kunst in Musik verwandelt wird?

Nicht nur. Auch das Stück selbst existiert ja in verschiedensten Versionen für alle erdenklichen Besetzungen. Die erste Orchestrierung durch Ravel ist fast berühmter als Mussorgskys Klavier-Original… Aber die Verwandlung von Kunst in Musik in diesem Werk hat uns tatsächlich dazu inspiriert, die Idee weiter zu spinnen und die Musik zusammen mit dem Multimediakollektiv pulp.noir wieder auf eine visuelle Ebene zu bringen.

Also gibt es Bilder zu Mussorgsky?

Nein, eben gerade nicht. Die «Bilder» erklingen bewusst konzertant. Es ist ja immer heikel mit solchen Konzepten – das Optische drängt die Musik rasch in den Hintergrund. Das wollen wir vermeiden. Bei anderen Werken sollen die Bilder eher wie Kulissen funktionieren, mit denen das Orchester an verschiedene Schauplätze versetzt werden kann. Und dann hatten wir die Idee, das Konzert als Tagesablauf aufzuziehen: Es beginnt im Dunkeln mit «Aurora Awakes» von John Mackey, tagsüber geht man dann eben unter anderem ins Museum. Im Laufe des Nachmittags respektive nach der Pause werden die Bilder immer vielfältiger, und abends endet das Ganze im Jazzclub, bei “Rhapsody in Blue”.

Das klingt nach sehr viel Aufwand – und ziemlich viel Geld. Wie trägt sich so ein Projekt?

Das ist tatsächlich der Knackpunkt. Es geht nur, weil auch die Profis mit viel Idealismus dabei sind; wir bezahlen zwar Gagen, aber die sind sehr tief angesetzt. Wir werden unterstützt von Blasmusikverbänden, auch ideell; das ist sehr wichtig für uns. Auch bei Stiftungen und bei der öffentlichen Hand laufen Anfragen, und wir werden wie letztes Jahr wieder ein Crowdfunding starten. Die Hoffnung ist schon, das Orchester mit der Zeit auf eine stabile finanzielle Basis zu bringen.

Und dann auszubauen?

Wir würden gern irgendwann eine zweite Konzerttour pro Jahr anbieten, vielleicht kommen auch Festivalauftritte dazu. Und dann hätten wir kammermusikalische Ideen, denn auch dort gibt es enorm viele Möglichkeiten für Bläserbesetzungen. Das wäre die Vision: Dass wir einer breiten Öffentlichkeit in aller Vielfalt zeigen können, was Bläserformationen zu bieten haben.

Interview: Susanne Kübler

Swiss Symphonic Wind Orchestra

Das Programm “Transformationen” mit Werken von John Mackey, Modest Mussorgsky, Albert Benz, Benedikt Hayoz und George Gershwin/ Mathias Rüegg wird drei Mal aufgeführt:

  • Sa 3. September, Tonhalle St. Gallen, 19.30 Uhr
  • So. 4. September, Kirche Neumünster Zürich, 18 Uhr
  • Sa. 10. September, Casino Frauenfeld, 19.30 Uhr

Weitere Infos und Tickets unter sswo.ch