Orchestra | Von Renold Quade

Percy Grainger: Children’s March. Over the hills and far away

Grainger Children's March

“Wenn wir die Möglichkeiten eines modernen konzertanten Bläserensembles bedenken, scheint es geradezu unbegreiflich, dass die Komponisten unserer Epoche dafür nicht ebenso viel schreiben wie für Sinfonieorchester. Zweifellos gibt es manche Phasen musikalischer Emotion, die ein Bläserensemble nicht so gut darzustellen vermag wie das Sinfonieorchester, aber andererseits ist offensichtlich, dass das Bläserensemble für bestimmte Bereiche des musikalischen Ausdrucks unvergleichlich gut geeignet ist…” Percy Aldridge Grainger äußert diesen Gedanken im September 1918 in seinem Artikel “Possibilities of the Concert Wind Band from the standpoint of a Modern Composer”.

je länger man sich mit dem vielschichtigen und umfangreichen Schaffen Graingers beschäftigt, desto schwieriger kann es fallen, in einem vergleichsweise kurzen Format wie diesem so recht die Balance zu finden. Also lege ich den Fokus nun auf das, was bis zur Ent­stehung dieses Werks von Belang scheint und wir begleiten den Komponisten bis in das Jahr 1919. Mich an Grainger zu erinnern oder auch ganz allgemein “Klassiker” zu ehren, gibt mir ­immer wieder auffrischende Impulse, nicht zuletzt reflektierend für meinen Blick auf aktuelle Strömungen. 

Der Komponist

Percy Grainger im Jahr 1922. Fotograf unbekannt

Percy Grainger wurde 1882 in Brighton, nahe Melbourne (Australien), geboren. In der Hauptsache oblag seine Erziehung der Mutter, die ihm mit sechs Jahren auch ersten Klavierunterricht erteilte. Mit neun Jahren erhielt er zudem Schauspielunterricht und Unterweisungen in Malen und Zeichnen. Als Percy zehn Jahre alt war, übernahm der Pianist Louis Pabst in Melbourne die Verantwortung für sein Klavierspiel.

Als Pianist hatte Grainger dann schon ab 1894 seine ersten erwähnenswerten öffentlichen Auftritte. Noch im gleichen Jahr suchten seine getrennt lebenden Eltern gemeinsam nach finanziellen Mitteln, um ihm ab 1895, mit 13 Jahren, ein Studium am “Hoch’schen Konservatorium Frankfurt” zu ermöglichen. Zusammen mit seiner Mutter, die fortan unter anderem als Sprach­lehrerin arbeitete, zog er nach Frankfurt. Ab 1901 zog es beide nach London und 1903 auch kurz nach Berlin, wo Grainger bei Busoni studierte. 

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