Orchestra | Von Klaus Härtel

Probenarbeit zwischen Profession und Leidenschaft

Probenarbeit zwischen Profession und Leidenschaft
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Foto: Benedikt Fleig

Was unterscheidet die Arbeit mit einem Profiorchester von jener mit einem Amateur-Ensemble? Und wo liegt der gemeinsame Kern, wenn Musikerinnen und Musiker zusammenkommen, um Werke zu erarbeiten? Einblicke von Prof. Johann Mösenbichler, Chefdirigent des Polizeiorchesters Bayern, sowie Erfahrungen aus einer »Offenen Probe« zeigen: Die Essenz der Musik bleibt gleich, doch die Wege dorthin variieren.

Der gemeinsame Nenner: Musik als Aussage

Unabhängig vom technischen Niveau ist für Mösenbichler der gemeinsame Nenner immer die Musik als solche. Es geht um:

  • Aussagekraft und Dramaturgie: Jedes Stück braucht eine Entwicklung und klare Phrasenbildung.
  • Die Definition einer guten Probe: Ein Probenvormittag ist dann erfolgreich, wenn am Ende eine spürbare Entwicklung stattgefunden hat – sei es technisch oder musikalisch.
  • Sinnstiftung: Musiker müssen das Gefühl haben, dass die gemeinsame Zeit sinnvoll genutzt wurde; Stillstand hingegen wirkt demotivierend.

Profis und Amateure: Unterschiedliche Ausgangspunkte

Während das Ziel – die musikalische Qualität – identisch bleibt, unterscheiden sich die methodischen Ansätze deutlich.

Trotz dieser Unterschiede betont Mösenbichler, dass beide Seiten voneinander lernen können: Profis profitieren von der unbändigen Spielfreude und dem Enthusiasmus der Amateure, während Amateure die technische Raffinesse und Effizienz der Profis zum Vorbild nehmen können

Die Offene Probe beim Polizeiorchester Bayern

Das POB öffnete jüngst seine Türen für 20 Teilnehmende, darunter Laien und Fachleute. Geprobt wurden vier Werke für die Neujahrstournee »Mit Swing und Esprit«, darunter Klassiker wie Dvořáks »Carneval Ouvertüre« und John Williams’ »Superman«. Da es sich um die erste Probe der Stücke handelte, standen Balance und die Interpretationsidee im Vordergrund.

Dabei wurde deutlich, wie effizient Profis arbeiten:

  • Vorbereitung: Die Musiker erhalten die Noten zwei bis drei Wochen vor Probenbeginn.
  • Methodik: Mösenbichler setzt auf Interaktivität und »Tun« statt langer Reden. Ein praktischer Kniff bei Blockaden: Schwierige Stellen überspringen und später mit »freiem Kopf« nochmals angehen.
  • Struktur: Neben Tutti-Proben sind auch gezielte Registerproben fester Bestandteil der nur drei bis fünf Tage umfassenden Vorbereitungszeit pro Programm.
Mösenbichler
Johann Mösenbichler (Foto: Benedikt Fleig)

Feedback aus der Praxis

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Transparenz. Nadine Reuber, selbst im Amateurbereich als Dirigentin tätig, hob den spannenden Vergleich zwischen den Welten hervor und lobte die »differenzierte musikalische Interpretation«. Andere Teilnehmer betonten die hohe Qualität, die bereits in der ersten Probe erreicht wurde, was für Amateurmusiker einerseits »frustrierend«, aber vor allem »beeindruckend« wirkte.

Fazit für Dirigierende

Der wichtigste Faktor für eine gelungene Probe ist laut Mösenbichler die Vorbereitung des Dirigenten. Nur wer eine klare Vision des Endergebnisses hat, kann interaktiv auf das Orchester reagieren und den Spielfluss erhalten, ohne bei jeder Kleinigkeit abzubrechen.

Probe