News, Orchestra | Von Daniel Gramespacher

„Pulse“ der Großherzoglichen Militärkapelle Luxemburg

Pulse

Neben Konzerten im In- und Ausland wird die „Großherzogliche Militärkapelle Luxemburg“ vor allem von großen Musikverlagen für CD-Produktionen engagiert. Für De Haske spielte sie „Pulse“ ein, bei dem nicht nur das Titelwerk stark rhythmisch geprägt ist. Vertreten sind die Stars des Verlags, deren Namen in den vergangenen 20 bis 30 Jahren vermutlich auf den Konzertprogrammen fast jedes ambitionierten Blasorchesters im deutschsprachigen Raum mindestens einmal aufgetaucht sein dürfte. Philip Sparke (68 Jahre), Jan Van der Roost (64), Franco Cesarini (64), Thomas Doss (53), Otto M. Schwarz (52) und Oliver Waespi (48).

Das Land hat nur etwa so viele Einwohner wie Düsseldorf oder Leipzig und darf doch eine der ­führenden Militärkapellen Europas sein eigen nennen. Die 1842 gegründete „Musique Militaire grand-ducale„, die seit 2012 von Chefdirigent Jean-Claude Braun geleitet wird, zählt zu den wichtigsten Institutionen, um das musikalische Erbe des kleinen Landes zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland zu pflegen.

Die acht Werke aus den Jahren 2016 bis 2018 der sechs Komponisten aus Großbritannien, Österreich, Belgien und der Schweiz auf „Pulse“ sind durchweg von sehr hohem Schwierigkeitsgrad. Für die meisten Vereinsblasorchester also eine Spur zu anspruchsvoll – zumindest technisch. Die energiegeladene „A Bluegrass Overture“ kombiniert lockeren Bluegrass-Akkord, Choral und kantable Melodien mit Sparke-typischen Synkopierungen.

Von van der Roost bis Schwarz

Van der Roosts „Donar“ (geschrieben für den Musikverein der münster­ländischen Gemeinde Heek) erinnert in Stil und Struktur stark an seine früheren Konzertmärsche „Arsenal“, „Mercury“ oder „Orion“ und britische Noblesse à la Edward Elgar. Ein Spaziergang in einem impressionistischen Garten inspirierte Doss zu „Fiori“. Die Querflöte, gespielt vom Militär­musiker Alain Baustert, ist das perfekte Soloinstrument für die Mikrowelt von Blumen, Düften und Insekten.

Otto M. Schwarz hingegen erzählt in seinen meist filmmusikalisch angelegten Werken gerne Geschichten. „Up in the Sky“ fasst die aufregende Geschichte der ersten bemannten Gasballonfahrt im Jahre 1783 durch die Brüder Montgolfier in Frankreich in Töne und Klänge, die einen der größten Menschheits­träume, sich frei wie ein Vogel in der Luft be­wegen zu können, lebendig werden lassen.

Von Cesarini bis Doss

In „Equestrian Symphonette“, geschrieben für ein Blasorchester in einer französischen Region, in der zahlreiche Vollblut-Pferderassen gezüchtet werden, verwendet Franco Cesarini die wichtigsten Gangarten – Schritt, Trab, Kanter und ­Galopp – als musikalische Basis. Mit einem recht jazzigen Charakter veranschaulicht er so Natur, Umgebung und Besonderheiten der Gangarten .

„Pulse“, das für Leben und Vitalität steht, hat Thomas Doss ursprünglich für den jungen Bariton-Solisten Felix Geroldinger geschrieben; auf der CD übernimmt den Part der Belgier Glenn van Loy, einer der führenden Eufonium-Spieler seiner Generation.

Oliver Waespi

„Energico“ ist der dritte Satz aus „Out of Earth“ von Oliver Waespi, einer musikalischen Erkundung der Schöpfungsmythologie aus den „Metamorphosen“ des antiken Dichters Ovid. Der Schlusssatz erhebt höchste Ansprüche an das Orchester – was bei den Luxemburger Profis freilich vergleichsweise leicht daherkommt.

„Blackout“ komponierte Doss für die Oberösterreichische Jugend-Brass-Band, also für eine reine Blechbläserbesetzung mit Schlagwerk. Auch in der eingespielten Fassung für Harmonie­orchester kommt der rege Betrieb, die Härte und die Maßlosigkeit einer Stadt zwischen Geld, Internet, Konsum und Materialismus, deren Hektik ein Blackout jäh unterbricht, mindestens ebenso gut zur Geltung.

„Pulse“:  Großherzogliche Militärkapelle Luxemburg, Leitung: Jean-Claude Braun; De Haske Records, DHR 04-048-3, www.musicshopeurope.com; Bestellen