Brass | Von Klaus Härtel

Christoph Moschberger im Gespräch über „songs & tales“ und mehr

Christoph Moschberger im Gespräch über „songs & tales“ und mehr
<span class="bsf-rt-reading-time"><span class="bsf-rt-display-label" prefix="Lesezeit ca."></span> <span class="bsf-rt-display-time" reading_time="11"></span> <span class="bsf-rt-display-postfix" postfix="Min."></span></span><!-- .bsf-rt-reading-time -->
Foto: Simon Heydorn

Wenn der WDR einem Solisten einen musikalischen Freifahrtschein ausstellt, entsteht im besten Fall ein künstlerisches Statement von bleibendem Wert. Mit seinem neuen Album „songs & tales“ legt der Trompeter Christoph Moschberger eine Produktion vor, die Genregrenzen überschreitet. Im Zentrum: Das WDR Funkhausorchester, ein hochkarätiges Kreativteam und ein 35-minütiges mythologisches „Monsterwerk“. Ein Gespräch über die Kunst des Geschichtenerzählens, das Rampenlicht und die Sehnsucht nach dem Kollektiv.

Klaus Härtel: Ich habe mir im Vorfeld die Videos und das Material angeschaut. Das ist auf jeden Fall schon beim ersten Hören sehr beeindruckend, das kann ich schon mal sagen. Wann genau war eigentlich das Konzert?

Christoph Moschberger: Das Projekt war im Februar 2023 und ist seitdem in der Schublade gelegen, weil ich einfach nicht dazu kam, weiterzumachen. Der WDR hat das natürlich mehrfach im Radio gesendet. Das lief dann teilweise auch in Schweden über die EBU, die European Broadcast Union, diesen Verband von Radiosendern. Und auf YouTube lief es natürlich auch. Aber wir haben das Ganze eben auch als Album aufgenommen – was die gleiche Musik ist, aber in einer noch schöneren Version. Das kommt jetzt endlich als Soloalbum raus.

Das heißt, auf dem Album ist nicht die Live-Version, sondern eine Studio-Version?

Genau, das ist der gleiche Saal, dort wo es war. Ein paar Teile davon sind tatsächlich live, ein, zwei Solos, Improvisationen, und ein Stück ist, glaube ich, fast ganz live, weil es von der Atmosphäre her voll schön gepasst hat. Aber der Rest ist im Studio entstanden.

In den Pressetexten ist die Rede davon, dass dieses Album ein künstlerisches Statement von dir ist. Wenn du das Album mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das ganz spontan?

Ich würde sagen: Lieblingslieder, Lieblingsinterpreten und Lieblingskomponisten. Es sind Songs, die mir etwas bedeuten, und es sind Menschen im Umfeld, denen ich vertraue. Zum Beispiel die „Paramount Rhapsody“: Das ist eine Hommage an Harry James, der einfach einer meiner Heroes ist, den ich toll finde.

Das Programm für diesen Abend zu konzipieren war sehr schön, weil ich letztendlich einen Freifahrtschein vom WDR bekommen hatte. Die haben gesagt: „Wir laden dich ein, wir machen eine Produktion. Worauf hättest du Lust, was könntest du dir vorstellen, was brauchst du?“ Dann habe ich mir überlegt, mit welchen Menschen ich zusammenarbeiten möchte, und habe eine Art Kreativteam gebildet. Da wurde gefeilt, Songs gesucht, Arrangements gemacht, der Abend dramaturgisch gestaltet und eben auch der Kompositionsauftrag an Matthias Werner vergeben. Seine Inspiration, diese Mythologiegeschichte und die Idee von „Yggdrasil“ kamen von ihm, weil er sehr auf solche Themen steht. So ist das entstanden. Es ist eine sehr persönliche Geschichte – am Ende des Tages wie ein maßgeschneiderter Anzug, der über eineinhalb Jahre genäht und am Ende probiert wurde.

So wie man es sich als Künstler wünscht, oder? Dass man das machen darf, was man will.

Ja, das ist natürlich eine Once-in-a-lifetime-Chance. Wobei es Gott sei Dank nicht ganz Once-in-a-lifetime ist, weil es ein Nachfolgeprojekt geben wird. Aber eigentlich ist das die absolute Idealvorstellung, dass man auf höchstem Niveau an allen Stellen mit einem Orchester arbeiten kann. Ohne diesen öffentlich-rechtlichen Hintergrund geht es eh nicht, das kann man sich sonst eigentlich überhaupt nicht leisten.

Das WDR Funkhausorchester kennst du ja schon länger. Du hast dort früher auch mitgespielt, aber nicht immer als Solist, oder?

Nein, gar nicht als eingeladener Solist. Als ich noch in Köln war, wurde ich immer wieder für Projekte gefragt, wo sie einen Spezialisten eingekauft haben – für die erste Trompete, wenn es um modernere Stilistiken ging, Paul Kuhn oder Bert Kaempfert zum Beispiel. Da habe ich einerseits die Bläser-Section angeführt, aber auch Features gespielt. Ich war da schon auch als Solist gefeatured, aber an dem Abend stand ich nicht auf dem Programm, sondern war einfach aus dem Orchester heraus dabei. Das war jetzt natürlich eine andere Geschichte.

Aber du bist offensichtlich in guter Erinnerung geblieben, sonst hätten sie dich nicht gefragt.

Absolut, ich hatte eine gute Lobby. Das war so ein bisschen ein Homecoming, denn ich habe viel Zeit in Köln und auch in diesem Funkhaus verbracht. Nebenan ist direkt die WDR Big Band. Dieses Umfeld, in dem ich mich da bewegt habe, kannte ich natürlich. Ich kannte die Abläufe, die Wege, den Pförtner. Viele Leute aus dem Orchester sind teilweise auch wirklich Freunde, die dort spielen. Das hat gut zusammengepasst und erleichtert natürlich die Produktion, weil man auf einer gewissen Basis aufbauen kann.

Für die Orchestermusiker ist es ja auch wichtig: Die sitzen immer da und bekommen jemanden vorne dran gestellt; die entscheiden ja nicht selber, wer da Solist oder Dirigent ist. Diese Achse zwischen Dirigent und Orchester muss funktionieren, weil Orchestermusiker sehr sperrig sein können, wenn sie den Dirigenten nicht mögen. Die Auswahl des Dirigenten war so eine Frage, wo ich mir viele Meinungen aus dem Orchester und von persönlichen Beziehungen eingeholt habe, um zu schauen, wie die Stimmung gerade ist. Das hat am Ende super funktioniert.

Die Musik, die du dort spielst, ist nicht nur Klassik, nicht nur Jazz, nicht nur Rock – es geht querbeet durch alle möglichen Genres. Keine Stilgrenzen. Das ist ja im Prinzip das, was deine Karriere ausmacht.

Genau. Wenn man es herunterbrechen will, ist es sicherlich diese Vielseitigkeit, die sich bei mir entwickelt hat. Es gab in den letzten Jahren verschiedenste Situationen, Projekte und Genres mit verschiedenen Künstlern. Deswegen war für mich ganz klar: Wenn ich einen Abend mache, der mich repräsentieren soll und aus dem ein Album entsteht, dann lege ich mich nicht auf eine Sache fest.

Für meine Verhältnisse habe ich mich mit dem Trompetenkonzert eh weit in die Klassik gelehnt. Eigentlich ist das nicht meine Hauptbaustelle, aber Matthias hat es super abgewürzt, sodass ich das gut vertreten kann, auch mit improvisatorischen Parts. Und das Orchester ist strukturell ja genau so aufgestellt: Die machen alles vom Schlagerabend über Filmmusik bis hin zu irischer Folklore und Operette. Das ist ein ziemlich gutes Match zwischen mir und dem Orchester.

Matthias Werner ist einer der Hauptakteure im Hintergrund bei dem Projekt. Den kennst du von Federspiel?

Genau, von Federspiel. Da ist er zwar nicht mehr aktiv auf der Bühne dabei, aber er schreibt für uns und ist uns eng verbunden. Er hat sich vor einigen Jahren von der Bühne zurückgezogen, um nur noch als Komponist zu arbeiten.

Und „Yggdrasil“ hat er speziell für dich und diesen Abend geschrieben?

Genau, das war im Rahmen dieses Abends die Aufgabe. Ich fand es toll, neben den Lieblingssongs und den Huldigungen für Stücke, die es schon gibt, etwas ganz Neues zu haben – eine Uraufführung. Das ist ein Kosmos, in dem er mit Sinfonieorchester voll seine Stärken ausspielen kann. Dass das jetzt ein 35-minütiges, viersätziges Monsterwerk wird, war vorher nicht ganz so besprochen. Das hat sich im Laufe der Arbeit entwickelt, um die drei Welten – Mittelwelt, Oberwelt, Unterwelt – und den Weltenbaum musikalisch abzubilden. Da brauchst du halt vier Sätze. Es ist ein bisschen größer geworden als gedacht, aber es hat super gepasst.

Mit dabei ist auch Chris Nemeth, ein alter Bekannter von mir aus dem süddeutschen Raum. Er hat mir damals, als ich jung war, viele gute Impulse und ein bisschen Unterricht gegeben. Er ist ein wahnsinnig versierter, open-minded Typ und ein bisschen meine Geschmackspolizei. Mit ihm habe ich zusammengearbeitet, Stücke gewählt und er war während der ganzen Produktion vor Ort und saß bei den Aufnahmen in der Regie. Er war die letzte Instanz, der quasi die Produzententätigkeit gemacht hat.

Matthias und Chris haben arrangiert und orchestriert. Das war ie in Amerika bei den großen Produktionen: Da gibt es Arrangeure und Orchestratoren, die genau das machen. Das haben wir uns ein bisschen abgeguckt. Deswegen ist die Qualität von dem, was rauskommt, einfach sehr gut.

Wie hast du dich im Vorfeld auf das Konzert vorbereitet? Hast du dich auch intensiv mit dieser nordischen Mythologie beschäftigt, die den Gegenstand des Werks bildet?

Nicht wirklich, ehrlich gesagt. Matthias hat mir das Thema vorgestellt, und das Konzept des Werkes hat mich inspiriert. Ich habe mich dann schon ein bisschen eingelesen, aber für mich muss es beim Spielen nicht unbedingt die exakt gleiche Inspiration sein.

Das Schöne bei Matthias ist: Immer wenn er schreibt, entstehen bei mir sofort Bilder im Kopf. Wenn der zweite Satz beginnt, hört man sofort diese Natur, das Bodenständige mit diesem Volkstanz. Das ist eine Melodie, da hat man das Gefühl, das ist ein bisschen Robin-Hood-mäßig, im Wald brennt ein Feuer, man tanzt drumherum. Diese Naturbilder vor Augen machen es mir extrem leicht, das musikalisch zu erzählen. Ich brauche immer einen bildlichen, musikantischen Zugang zur Musik, damit ich gut reinkomme, es mir merken und in meinen eigenen Worten erzählen kann.

Hast du das restliche Programm um dieses Werk herumgebaut, oder waren das Ideen, die du gesammelt hast?

Das Gesamtprogramm hat sich relativ bald ergeben. Es war ja auch eine kleine Band dabei. Ich habe Stücke gesucht, die dieses Statement der Vielseitigkeit gut abbilden, um einen großen Überblick zu haben. Das Orchester hat am Anfang auch ein, zwei Stücke alleine gespielt. Als ich dann wusste, dass das Werk von Matthias so lang wird, war klar, dass es mehr Raum braucht – das war dann letztendlich das komplette zweite Set. Im ersten Set waren die kürzeren Stücke, im zweiten das große Werk und ein Abschlussstück. Es ist ein bisschen ein musikalischer Gemischtwarenladen, aber das ist eben mein Profil. Ich hoffe, es wirkt nicht beliebig.

Nein, überhaupt nicht. Der rote Faden sind letztendlich deine Lieblingsstücke.

Genau, so würde ich das interpretieren. „Songs and Tales“ trifft es halt. Es sind einfach Lieder. Das „Lullaby“ zum Beispiel ist ein Stück von mir, ein Schlaflied, was durch meine Kids einen extrem persönlichen Bezug hat. Und dieses Erzählerische zieht sich durch. Jede Improvisation, jede Melodie, die ich spiele – es klingt abgedroschen, wenn man sagt, man möchte eine Geschichte erzählen, aber letztendlich ist es genau das.

Das tue ich gerne, und das bekomme ich auch oft als Feedback: Dass man mir gerne zuhört, auch wenn man nichts von Trompetenspielen versteht, weil da eine Spannung erzeugt wird. Wie wenn jemand aufsteht und ein Gedicht rezitiert: Wenn er es gut macht, hörst du hin. Das funktioniert in jeder Art von Musik, ganz wurscht, ob Klassik, Jazz-Improvisation, Pop-Solo oder Blasmusik.

Inwiefern ist so ein Solo-Projekt für dich auch Selbstverwirklichung, bei der du im Mittelpunkt stehst? Bei Projekten wie der Supergroup oder Federspiel bist du ja Teil eines Ensembles und nicht der klassische Frontmann.

Das läuft natürlich parallel zu allem, was ich tue. Das WDR-Projekt ist vielleicht das Leuchtturmprojekt meiner Solo-Karriere, weil es das Größte war. Aber ich habe ja regelmäßig solistische Auftritte mit Blasorchestern, Bigbands und Ensembles. Diese Rolle als Solist mag ich sehr. Aber ich mag sie nicht ausschließlich, weil es ein einsames Leben ist. Ich würde nie nur Solist sein wollen – nicht wegen des Drucks, sondern weil der Musikeralltag unterwegs als Solo-Ding manchmal ein bisschen öde ist, wenn man immer alleine im Hotel sitzt.

Dieses Band-Gefüge ist einfach das Größte: Mit Leuten unterwegs zu sein, die man gerne mag. Deswegen genieße ich es total, bei Federspiel oder anderen Projekten wirklich Ensemble-Mitglied zu sein. Die Supergroup ist ja eine feste Band, aber sie arbeitet eher orchestermäßig, da finden abseits der Bühne keine großen Strategie-Geschichten statt. Das entwickelt sich auf der Bühne. Aber ich brauche das Rampenlicht als Solist manchmal einfach als Challenge. Da ist der Präsentierteller am größten, und das motiviert mich auch zum Üben.

Federspiel
Federspiel (Foto: Frank Wiesen)
Es ist bestimmt manchmal schwer, im Terminkalender von einer Band zur anderen zu switchen – heute Supergroup, morgen Federspiel in Linz, übermorgen wieder Supergroup in Berlin. Das ist ja ein ständiges Hin und Her von heute auf morgen.

Eigentlich fällt mir das nicht schwer. Viele Leute denken immer, das sei voll stressig. Aber Reisen ist Reisen, und ich reise grundsätzlich gerne. Ich bin gerne unterwegs. Die Wochen werden zwar ziemlich tough, weil es viele Wege sind, aber ich sitze gerne im Bus, im Auto, im Zug oder im Flieger.

Jetzt, wo ich durch meine Familie ein bisschen sesshafter geworden bin als früher, merke ich erst recht, dass ich diese Bewegung und das Unterwegssein an neue Orte brauche, weil ich es schon immer so kenne. Rein spielerisch fällt es mir nicht schwer; es gibt gewisse Erfahrungswerte, wie ich mich auf spezielle Sachen vorbereiten muss, und unterm Strich muss ich mich ja nirgendwo verstellen. Das könnte theoretisch alles in einem Abend stattfinden. Das Schwierige ist eher die Terminvereinbarung und die Organisation, diese ganzen Projekte miteinander zu koordinieren.

Vor diesem Hintergrund ist es fast schon nachvollziehbar, dass du bei den Egerländer Musikanten nicht mehr dabei bist. Das hätte zeitlich überhaupt nicht mehr gepasst, oder?

Das wäre auf jeden Fall extrem schwer geworden. Das hat sich schon länger abgezeichnet, das ist ja auch schon eine ganze Weile her, ich glaube seit 2021. Es war die logische Folge aus den Jahren davor. Damals hat der Ernst frisch die Termine herumgeschickt und abgefragt, wer wann kann, und das dann innerhalb des Musiker-Pools verteilt. Bei mir war es so, dass ich andere Projekte hatte und relativ wenig Zeit anbieten konnte. Das hat ihm verständlicherweise auch nicht so gepasst, er hätte sich mehr Priorität für die Egerländer gewünscht. Aber ich habe mich in dieser Zeit anders entschieden.

Ich stehe total auf die Egerländer-Musik und finde das super, das ist ein ganz wichtiger Teil von mir. Aber dieses intensive Spielen in einem so großen Umfeld, wo der eigene Tanzbereich sehr klein ist und man wie ein Orchestermusiker funktioniert, war mir irgendwann einfach zu wenig. Deswegen habe ich mich für andere Dinge entschieden. Die Trennung war die logische, gute Konsequenz, zumal mir der Abschied leicht fiel, weil ich ja noch die „Kleine Egerländer Besetzung“ habe. Da kann ich diese Musik spielen auf eine viel persönlichere Art, weil es eigene Kompositionen sind und es kammermusikalischer zugeht. Wir spielen nicht wahnsinnig viel, aber tolle Sachen, bei denen wir uns musikalisch verwirklichen, selber schreiben und machen können.

Ähnlich war es wahrscheinlich dann auch bei BAP oder „Sing meinen Song“, wo einfach die Zeit für solche Großprojekte fehlte?

Ja, genau. Bei „Sing meinen Song“ war es so, dass das WDR-Projekt genau in die Zeit fiel, in der die Staffel stattfand. Das war im Jahr 2023 der Hauptgrund, warum ich gesagt habe, ich mache das in dem Jahr nicht mehr. Mit ein bisschen Abstand betrachtet bin ich froh, dass es mich inhaltlich umorientiert hat, denn alles kann man halt nicht machen.

Federspiel ist im Vergleich zu den Projekten davor ein Projekt, bei dem man wirklich eine Band ist und nicht einfach ausgetauscht werden kann. Es gibt keine Subs, außer jemand bekommt ein Kind oder es ist etwas Ernstes. Da springt niemand ab, nur weil er einen anderen Gig spielen kann. Das ist echte Band-Arbeit, das hatte ich so vorher noch nie. Deswegen ist die Diversität in meinem Portfolio ein bisschen geschrumpft, weil Federspiel einfach mehr Raum einnimmt. Das genieße ich aber sehr, weil es eine gewisse Ruhe und Beständigkeit reinbringt. Wir tun gerade viel, innerhalb von Federspiel passieren viele verschiedene Dinge: Wir haben ein neues Album und haben ein neues Kindermusiktheater mit Regie und Schauspielerei produziert, was mega Spaß gemacht hat. Allein in diesem Kosmos passiert so viel, dass es nie langweilig wird.

Komponisten-Notiz 

So ein mythologischer Sagenschatz ist ein Geschenk für mich als Komponist! Bei Yggdrasil konnte ich an Geräuschen, Tönen, Klängen, Laut und Schall und Hall üppig schöpfen, um die Naturphänomene – das Wispern, Kichern, Rascheln und Raunen -, sowie die Lebewesen auf, in und am Fuß der Weltesche darzustellen; Folkloristisches für ein menschliches Abbild, Grollendes für die Bösewichte, Listiges und Kämpferisches für die Helden und Strahlendes für die guten Götter darüber. Die verschiedenen Welten zeigen sich sphärisch, irdisch, dämonisch bis hinab in die Wurzeln der Unterwelt – hier das Bedrohliche, Beklemmende, das Endgültige, aber auch das Plätschern im Brunnen der Weisheit. Als Kontrast zu diesem finsteren Eis- und Nebelreich ist die prachtvolle Götterwelt bewusst ans Ende gestellt. Die dritte große Wurzel Yggdrasils empor erklimmen Themen in der Himmelstonart A die Spitze des Baumes und ein vorantreibendes Allegro beschließt das Konzert für Trompete und Orchester. Verheißungsvoll und gewinnend – der 4. Satz, angelegt als Hoffnungsträger, Kontrapunkt zum aktuellen Weltgeschehen, lädt das Hör-Publikum beim Ausklingen ein auf ein sprießendes Zweiglein Zuversicht.  Matthias Werner 

Matthias Werner
Matthias Werner (Foto: Maria Frodl)