Orchestra | Von Klaus Härtel

The Messanoic Method: Das Werkzeug für Dirigenten von Russell Gray

The Messanoic Method: Das Werkzeug für Dirigenten von Russell Gray
<span class="bsf-rt-reading-time"><span class="bsf-rt-display-label" prefix="Lesezeit ca."></span> <span class="bsf-rt-display-time" reading_time="2"></span> <span class="bsf-rt-display-postfix" postfix="Min."></span></span><!-- .bsf-rt-reading-time -->

Seit über zwanzig Jahren arbeitet der schottische Dirigent Russell Gray mit Ensembles auf der ganzen Welt. Brass Bands, Blasorchester, Fanfarenzüge – von ambitionierten Schulensembles bis hin zu professionellen Spitzenorchestern. In dieser Zeit hat er nicht nur mehr als 50 Wettbewerbserfolge errungen, darunter 14 nationale Titel, sondern vor allem eines getan. Er hat systematisch darüber nachgedacht, wie Ensembles denken, hören und miteinander reagieren – und wie Dirigentinnen und Dirigenten diesen Prozess bewusst steuern können.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist die Messanoic Method, die Gray in Buchform (Musikverlag Frank) zugänglich macht. Der Titel verweist auf ein bewusst neu geprägtes Wort, das sich vom griechischen metanoia ableitet – einem Begriff, der »Umdenken« oder »Richtungswechsel« bedeutet. Genau darum geht es: nicht um Schuld oder Korrektur im negativen Sinn, sondern um eine neue Art des Denkens im Ensemble, um ein gemeinsames musikalisches Bewusstsein.

Russell Gray geht einen Schritt weiter

Im Zentrum der Messanoic Method stehen die ersten fünf bis zehn Minuten einer Probe. In der Blasmusiktradition werden diese häufig mit einem Choral begonnen. Das ist eine bewährte Praxis, um zur Ruhe zu kommen und den gemeinsamen Klang zu finden. Doch Gray geht einen Schritt weiter. Statt den Choral lediglich »durchzuspielen«, nutzt er ihn als hochkonzentriertes Trainingsfeld für Ensemblekompetenz, Aufmerksamkeit und nonverbale Kommunikation.

Die Methode zielt darauf ab, eine Art »Hive Mind«, eine Bienenstockmentalität im Ensemble zu entwickeln – ein gemeinsames Reagieren auf visuelle Impulse, dirigentische Gesten und das Zusammenspiel der einzelnen Stimmen. Musikerinnen und Musiker lernen, bewusster aufeinander zu hören, ihren Platz im Klanggefüge wahrzunehmen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das Ergebnis: eine deutlich höhere Aufnahmefähigkeit für Inhalte im weiteren Probenverlauf und eine spürbar gesteigerte Effizienz.

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Zunächst stehen grundlegende Aspekte wie Balance, Klang, Intonation und Dynamik im Fokus. Es folgen Kapitel zu Artikulation, rhythmischer Präzision und Konzentration innerhalb des Ensembles. Den Abschluss bilden kreative und überraschend wirkungsvolle Ansätze zur Arbeit mit dem letzten Akkord eines Chorals – einem Moment, der oft unterschätzt wird, aber enormes Potenzial für gemeinsames Timing und Aufmerksamkeit birgt.

Messanoic Method

Leicht umsetzbare Beispiele

Anhand konkreter, leicht umsetzbarer Beispiele zeigt Gray, wie sich mit einfachen Handzeichen komplexe musikalische Prozesse steuern lassen: das bewusste Unterbrechen und Fortsetzen des Spiels, schnelle rhythmische Wechsel innerhalb eines Schlages oder das aktive und passive Dirigieren beim gemeinsamen Einsatz. Diese Übungen sind klar strukturiert, sofort anwendbar und unabhängig vom Leistungsniveau des Ensembles.

Die Messanoic Method ist für alle Blasensembles gedacht, eignet sich aber besonders für Aufbau- und Nachwuchsorchester. Sie funktioniert mit Profimusikern ebenso wie mit jungen Spielerinnen und Spielern – denn im Mittelpunkt steht nicht primär die spieltechnische Qualität, sondern die Art und Weise, wie gemeinsam musiziert wird.

Die folgenden Seiten geben einen Einblick in dieses Buch und laden dazu ein, die ersten Minuten der eigenen Probe neu zu denken – als bewussten Startpunkt für Konzentration, Kommunikation und musikalische Tiefe. Klaus Härtel z

www.blasmusik-shop.de/Gray-Russell