Es gibt diese Momente, da fühlt sich alles stimmig an. Es klingt gut, technische Hürden funktionieren und du hast Tempo und Rhythmus unter Kontrolle. Und dann gibt es die anderen Momente… Die Stellen, bei denen du schon Takte vorher verkrampfst und eine Anspannung im Körper spürst. Die Stellen, an denen du mit Druck und Kraft arbeitest, um ein Crescendo zu spielen. Was, wenn genau diese Gefühle richtig wertvolles Feedback sind?
Genau wie Audio- oder Videoaufnahmen, das Metronom oder ein Blick in den Spiegel kann deine Körperwahrnehmung dir Orientierung beim Üben geben. Das Spüren kann dir helfen, Probleme zu lösen, und dir verraten, inwieweit dein Üben Wirkung zeigt.
Lass uns die Feedbackschleife Körpergefühl einmal genauer anschauen.
Bereit? Dann lass uns starten!
Feedbackschleife: Der Körper ist schneller als dein Ohr
Bevor etwas hörbar wird, ist es oft schon spürbar. Ein ungleichmäßiger Lauf zeigt sich als Spannung in den Händen. Ein instabiles Piano verrät sich am gedrückten, festgehaltenen Atem. Eine schwierige Stelle lässt dich vielleicht die Schultern hochziehen, und das Takte bevor sie dran ist.
Viele erwachsene Amateurmusiker und -musikerinnen beschreiben diese oder ähnliche Erfahrungen.
Und du kannst es dir sicher schon denken: Das passiert nicht zufällig. Der Körper reagiert auf das, was ist oder kommt. Auf Unsicherheit. Oder auf Erwartung. Auf Druck. Und das oft früher, als wir es hören.
Deshalb ist es so wertvoll, beim eigenen Üben nicht nur auf den Klang zu achten, sondern einen ganz anderen Fokus zu setzen: auf das Spüren.
Für dein Übezimmer: Spielen und spüren
Probiere es doch direkt aus.
Im Grunde ist es simpel, aber nicht einfach, denn beim Üben gibt es oft viele Dinge gleichzeitig zu beachten. Eine weitere Ebene kann da anfangs eine Herausforderung sein, besonders wenn wir es noch nicht gewohnt sind, sie einzubeziehen.
So kannst du vorgehen: Spiel eine Passage. Richte deine Aufmerksamkeit weg vom Klang und hin zum Körper. Nicht analysieren. Nur wahrnehmen.
Wo wird es enger? Wo baut sich Spannung auf? Hände. Schultern. Kiefer. Atem.
Dann stoppe. Halte kurz, in Gedanken oder schriftlich, fest, was du beobachtet hast. Nicht bewerten. Nur feststellen.
»Hier ziehe ich die Schulter hoch.« »Hier halte ich den Atem an.« »Hier drücke ich mehr, als ich möchte.«
Das ist Feedback. Das ist etwas, wo du ansetzen kannst, um sicherer und müheloser zu spielen.
Perspektivwechsel: Verändere das Gefühl, nicht den Klang
Übe die Stelle nicht mit dem Ziel, sie »richtig« oder besonders schön zu spielen. Sondern so, dass sie sich anders anfühlt.
Mit weniger Druck in den Fingern. Oder mit weniger Druck in der Luft. Mit weniger Anspannung im Solarplexus.
Suche nicht nach Perfektion. Suche nach Leichtigkeit.
Oft passiert dann etwas Interessantes: Der Klang verändert sich mit. Er wird freier, runder, tragender. Nicht, weil du ihn direkt korrigierst, sondern weil sich die Voraussetzungen für den Klang verändern.
Wenn du anfängst, so zu üben, verschiebt sich etwas. Du fragst nicht mehr danach, was du tun musst, damit Dinge funktionieren. Du lernst stattdessen, zu spüren, was den Spielfluss stört, und das kann dein Erlebnis beim Spielen und die Qualität des Spiels selbst erheblich verbessern.
Ich wünsche dir viele spannende Erkenntnisse und freue mich sehr, von deinen Erfahrungen zu hören.
Frohes Üben!

Hallo!
Ich bin Melina! Ich habe Klarinette studiert und bin heute als freischaffende Musikerin in Berlin tätig.
Wie kann modernes Üben, üben im 21. Jahrhundert aussehen, in dem so viele Dinge Aufmerksamkeit von uns verlangen? Und wie können wir effektiv üben, also mit kurzen Übesessions besser werden? Wie kann uns das Musizieren als Ort der eigenen Entfaltung, der Entspannung und des Glückes dienen? Und wie bringen wir beides, Fortschritt und Genießen, in den Einklang?
Diesen Fragen gehen wir hier auf den Grund. Dafür erwarten Dich praktisch anwendbare Ideen und Anregungen für Dein eigenes Üben und Musizieren.
Mehr über mich und meine Arbeit erfährst Du hier: www.melinapaetzold.de


