Wie entsteht eigentlich ein gemeinsamer Klang im Ensemble? Warum wirkt derselbe Beckenschlag in einem Orchester überzeugend und im anderen zu dominant? Nach welchem Gesichtspunkt wählen wir unser Material? Wie Üben wir zielgerichtet und wie sieht musikalische Verantwortung im täglichen Musizieren aus? Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich die Teilnehmenden der Boum-Percussion Academy 2026 im Musikzentrum Baden-Württemberg in Plochingen. Bereits zum sechsten Mal kamen während der Pfingstferien junge Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger zusammen, um sich intensiv mit ihrem Instrument auseinanderzusetzen, voneinander zu lernen und neue Impulse für ihren musikalischen Weg mitzunehmen.
Besonders bemerkenswert war dabei erneut die Vielfalt der Teilnehmenden. Neben angehenden Musikstudierenden und Schülerinnen aus Förder- und Pre-College-Programmen waren auch zahlreiche Musiker*innen vertreten, die ihre musikalische Heimat in Musikvereinen, Jugendblasorchestern, Auswahlorchestern oder sinfonischen Blasorchestern haben. Gerade diese Mischung macht viele Gespräche und Unterrichtssituationen besonders spannend. Unterschiedliche Erfahrungen treffen aufeinander und eröffnen neue Perspektiven für alle Beteiligten.
Konkrete Fragen aus dem musikalischen Alltag
Einige Teilnehmende waren bereits zum wiederholten Mal dabei. Diese Kontinuität ist zu einem wichtigen Bestandteil der Academy geworden. Viele Kontakte, die während der vergangenen Jahre entstanden sind, bestehen bis heute fort. Aus gemeinsamen Unterrichtsstunden wurden Freundschaften, aus Begegnungen musikalische Kooperationen und aus einzelnen Academy Tagen ein Netzwerk, das weit über die Veranstaltung hinausreicht.
Im Mittelpunkt der Arbeit standen dabei sehr konkrete Fragen aus dem musikalischen Alltag. Wie beeinflusst die Wahl eines Schlägels den Gesamtklang? Welche Wirkung hat die Stimmung eines Trommelfells im Ensemble?
Mit welchen Techniken bedienen wir Instrumente wie Triangel, Tamburin oder Becken und wie gelingt es uns, diese musikalisch bewusst einzusetzen und sinnvoll in den Gesamtklang einzubetten?
Dabei geht es weniger um Patentrezepte als um das Entwickeln eines geschärften Hörens. Welche Klangvorstellung verlangt eine bestimmte musikalische Situation? Wie reagiere ich auf meine Mitspieler? Und woran orientiere ich mich, wenn mehrere Lösungen gleichermaßen sinnvoll erscheinen?
Blick über das Instrument hinaus
Zur Academy gehört seit einigen Jahren bewusst auch ein Blick über das Instrument hinaus. Musikalische Entwicklung entsteht schließlich nicht allein durch Übezeit. Deshalb werden regelmäßig Formate integriert, die sich mit Körperbewusstsein, Konzentration und mentaler Präsenz beschäftigen. In diesem Jahr stand Pilates mit der Prima Ballerina des Stuttgarter Balletts Miriam Kacerova auf dem Programm, in den vergangenen Jahren ergänzten unter anderem Tai Chi und Gyrokinesis die musikalische Arbeit.
Die künstlerische Leitung liegt seit Beginn in den Händen der aus der Region stammenden Brüder Kai und Marc Strobel. Beide verbindet die Leidenschaft für das Schlagwerk, gleichzeitig bringen sie unterschiedliche Perspektiven ein. Kai Strobel ist international als Solist tätig und lehrt als Professor am Conservatorio della Svizzera italiana in Lugano sowie am Royal Northern College of Music in Manchester. Marc Strobel ist Erster Schlagzeuger des Staatsorchesters Stuttgart und Professor für Schlagwerk an der Hochschule für Musik Saar. Ergänzt wurde das Team in diesem Jahr durch Andreas Steiner, Pauker und Schlagzeuger des Mozarteumorchester Salzburg.
Gastdozenten
Jede Academy wird durch wechselnde Gastdozenten bereichert, die ihre ganz persönlichen Blickwinkel und Erfahrungen einbringen. Zu den Gästen der vergangenen Jahre gehörten unter anderem Jens Hilse (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin), Matthias Kelemen (ehemals NDR Elbphilharmonie Orchester) und Bence Major (Concertgebouw Orkest Amsterdam).
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Kennenlernen der enormen Vielfalt des modernen Schlagwerks. Durch die vertrauensvolle Unterstützung von Kolberg Percussion, Adams Percussion und Thomann Music erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, unterschiedlichste Instrumente und Materialien auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Ein fester Bestandteil der Academy ist dabei auch der gemeinsame Besuch der nahegelegenen Kolberg Percussion-Manufaktur, bei dem viele spannende Einblicke in Entwicklung, Bau und Klanggestaltung von Schlaginstrumenten gewonnen werden können.
Seit der ersten Edition haben Musikerinnen und Musiker aus rund 30 Nationen an der Academy teilgenommen – von Costa Rica über den Libanon bis nach Singapur. Was dabei immer wieder beeindruckt: Junge Schlagzeuger*innen aus Baden-Württemberg arbeiten Seite an Seite mit Teilnehmenden aus unterschiedlichsten kulturellen und musikalischen Kontexten. Aus diesem Austausch entstehen neue Perspektiven, internationale Freundschaften und wertvolle Netzwerke, die oft weit über die Academy hinaus bestehen bleiben.
Gerade diese Verbindung aus regionaler Verwurzelung und internationalem Austausch macht die Boum-Percussion Academy zu einem besonderen Begegnungsort. Wer hier teilnimmt, erhält nicht nur musikalische Impulse, sondern auch Einblicke in andere Denkweisen, Ausbildungswege und musikalische Kulturen.
Mit Blick auf die nächste Edition an Pfingsten 2027 freuen wir uns darauf, erneut junge Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger aus Baden-Württemberg, Deutschland und der internationalen Schlagwerkszene zusammenzubringen – um gemeinsam zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und die Begeisterung für Musik weiterzugeben.




