Brass, Wood | Von Melina Paetzold

Was  bei (schnellen) 6/8-Takten oft falsch geübt wird

Was  bei (schnellen) 6/8-Takten oft falsch geübt wird
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Neulich im Unterricht spielte mir ein erwachsener Schüler ein Stück im 6/8-Takt vor. Erst langsam und dann schneller. Er ärgerte sich: »Langsam geht es ja, aber schnell fällt alles auseinander!«, und zeigte verzweifelt, wie er mit dem Fuß mitzählte. Ich fragte ihn: »Wie fühlt sich das an?« »Hektisch! Ich verliere völlig den Überblick.«

Vielleicht denkst du jetzt spontan auch: da braucht er wohl mehr Übung. Da würde ich dir nicht widersprechen. Gleichzeitig kannst du dein Üben wirksamer gestalten, als das Stück immer und immer wieder zu wiederholen.

In diesem Artikel zeige ich dir zwei zentrale Stellschrauben, mit denen sich beim Üben typische »Knoten im Kopf« in Bezug auf den 6/8-Takt lösen lassen. Außerdem können sie dir dabei helfen, diese auch im schnellen Tempo zu meistern, wenn du damit bisher Probleme hattest.

Bereit? Los geht’s!

Zwei Stellschrauben für sichere 6/8-Takte

Stellschraube Nummer 1: Größere Zähleinheiten wählen

Gehen wir zurück in die Unterrichtstunde. Zuerst fiel mir auf, dass der Schüler den 6/8-Takt in sechs Achteln zählte. Das ist im langsamen Tempo eine völlig sinnvolle Lösung. Wird das Tempo jedoch schneller, stellen wir uns damit oft selbst ein Bein.

Vielleicht kennst du das:

  • Der Fuß schafft es nicht mehr, präzise mitzuschlagen.
  • Das schnelle Mitzählen erzeugt Unruhe.
  • Das Spiel fühlt sich gehetzt und stressig an.

Keine gute Grundlage für Sicherheit. Was du stattdessen brauchst, sind größere Einheiten. Zusammenzufassen, statt Details zu kontrollieren. Genau darum bat ich meinen Schüler als Nächstes.

Stellschraube Nummer 2: Die richtige Einheit wählen

Er spielte das Stück noch einmal. Diesmal zählte er in größeren Einheiten mit. Ich fragte ihn: »Welche Einheit hast du gewählt?« Er antwortete: »Drei Viertel.« Das klingt erstmal logisch, oder? Denn in Mathe haben wir gelernt zu kürzen: 6/8 zu 3/4. Diese Schlussfolgerung ist nachvollziehen, führt musikalische aber in die Irre. Denn bei Taktangaben geht es nicht um Mathematik, sondern um den Charakter eines Stückes. Und dieser hängt von den Grundschlägen ab.

  • 3/4-Takt
    drei Grundschläge (Viertel)
    tänzerischer Charakter
  • 6/8-Takt
    zwei Grundschläge (punktierte Viertel)
    vorwärtsfließender, schwingender Charakter

Wenn diese Unterscheidung nicht klar ist, entstehen schnell falsche Betonungen, Phrasen verändern sich oder das Notenbild macht keinen Sinn für dich.

Stellschraube Nummer 2 ist: Die richtige Einheit für die Grundschläge wählen. Ein 6/8-Takt ist kein schneller 3/4-Takt, sondern ein Zweier-Takt mit Dreier-Unterteilung.

So gehst du konkret beim Üben vor

Vielleicht denkst du jetzt: Reicht das wirklich schon? Ganz ehrlich: nein, zumindest nicht sofort. Allein diese zwei Stellschrauben zu kennen, bringt deine 6/8-Takte noch nicht automatisch ins Tempo. Oft musst du zunächst sogar langsamer üben, um zu überprüfen, ob du die zwei Grundschläge wirklich einhältst. 

Aber es lohnt sich. Denn damit legst du einen Grundstein, der dir bei unzähligen Stücken hilft, auch im schnellen Tempo ruhig und souverän zu bleiben.

Und übrigens: Dieses Prinzip gilt nicht nur für den 6/8-Takt. Du kannst es auf alle Taktarten anwenden, deren Zähler sich durch drei teilen lässt zum Beispiel schnelle 3/4-, 3/8- oder 9/8-Takte.

Konkretes Vorgehen beim Üben

  1. Zähle zunächst in Achteln.
    So erarbeitest du den Rhythmus exakt und prägst dir gleichzeitig den Klang des Stückes ein.
  2. Beginne anschließend, den 6/8-Takt in zwei Grundschlägen zu fühlen.
    Das erfordert, gerade am Anfang, viel Konzentration. Übe dafür lieber langsamer statt schneller. Wenn möglich, bitte deine Lehrerin oder deinen Lehrer um Feedback.

Ich wünsche dir also gutes Dranbleiben und frohes Üben!

Melina Paetzold

Hallo! 

Ich bin Melina! Ich habe Klarinette studiert und bin heute als freischaffende Musikerin in Berlin tätig. 

Wie kann modernes Üben, üben im 21. Jahrhundert aussehen, in dem so viele Dinge Aufmerksamkeit von uns verlangen? Und wie können wir effektiv üben, also mit kurzen Übesessions besser werden? Wie kann uns das Musizieren als Ort der eigenen Entfaltung, der Entspannung und des Glückes dienen? Und wie bringen wir beides, Fortschritt und Genießen, in den Einklang?

Diesen Fragen gehen wir hier auf den Grund. Dafür erwarten Dich praktisch anwendbare Ideen und Anregungen für Dein eigenes Üben und Musizieren.

Mehr über mich und meine Arbeit erfährst Du hier: www.melinapaetzold.de