Brass, Orchestra, Wood | Von Klaus Härtel

Was ist Emotionstraining für Musiker?

Was ist Emotionstraining für Musiker?
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Emotionen entscheiden im Musizieren über weit mehr als Ausdruck: Sie beeinflussen Lernen, Motivation, Abruf unter Druck und Bühnenpräsenz. Dennoch werden sie in der musikalischen Ausbildung kaum systematisch trainiert. Mona Köppen arbeitet seit Jahren genau an dieser Schnittstelle. Lange als Mentaltrainerin bekannt, spricht sie heute bewusst von Emotionstraining – und begründet, warum mentale Stärke für sie nicht der Ausgangspunkt, sondern das Ergebnis ist. Im Gespräch erklärt sie, welche Rolle Emotionen im Üben, Unterrichten und Auftreten spielen, warum viele Probleme weniger mit Können als mit Abruf zu tun haben und weshalb ein neuro-emotionaler Ansatz für Musiker eine zentrale Lücke schließt.

Mona, du bist eigentlich als Mentaltrainerin bekannt. Warum sprichst du heute bewusst von Emotionstraining?

Weil das, was ich seit Jahren mache, im Kern keine klassische Mentalarbeit ist. Der Begriff Mentaltraining war in der Musikerwelt einfach einigermaßen anerkannt. Inhaltlich hat er für mich aber nie wirklich gepasst.

Ich arbeite seit Anfang an mit Emotionen. Zuerst sehr klar im Bereich Emotionsregulation: Wenn Musiker mit blockierendem Auftrittsstress zu mir kamen, habe ich geschaut, welche Emotionen blockieren – und genau dort angesetzt. Ziel war immer, wieder handlungsfähig zu werden, damit das Gelernte abrufbar ist.

Mit der Zeit kamen weitere emotionsbasierte Formate dazu: Emotionswahrnehmung über Mimikresonanz, Arbeit mit Ausdruck und Wirkung, Ressourcenarbeit. Selbst das klassische mentale Üben – zum Beispiel das imaginative Probespiel/ Auftrittstraining – ist bei mir immer neuro-emotional eingebettet. Ich prüfe stets: Gibt es eine emotionale Blockade? Wenn ja, bringt mentales Training allein meist wenig – dann braucht es eine Emotionsregulation.

Ich war es irgendwann leid, ständig erklären zu müssen, was »meine Art von Mentaltraining« eigentlich bedeutet. Ein Satz meines Mentors Dr. Dirk Eilert war da sehr klar: »Du arbeitest mit Emotionen – dann sag das auch!« Und ja, Emotionstraining ist in der Musikerwelt kein etablierter Begriff. Aber genau deshalb braucht es ihn.

Mentale Stärke ist für mich kein Startpunkt. Sie ist ein Ergebnis. Und sie entsteht nur dort, wo Emotionen wahrgenommen, reguliert und gezielt genutzt werden können. Die Basis dazu ist damit das Emotionstraining.

Warum ist das Thema Emotionen für dich in deiner Arbeit so zentral?

Musik ist Emotion. Gänsehautmomente, Berührung, Präsenz – genau das macht Musik lebendig. Das, was Musiker vermitteln wollen, entsteht nicht nur durch Technik, sondern auch zwischen den Noten.

Gleichzeitig erleben wir in der Ausbildung einen Widerspruch: Emotionen sind ausdrücklich erwünscht, werden aber kaum systematisch trainiert. Mentale Stärke, Ausdruck, Abruf unter Druck – all das entsteht erst dort, wo Emotionen bewusst wahrgenommen und reguliert werden können. Emotionen sind damit die Grundlage für effektives Üben, Motivation, Stressregulation, Abrufen, wenn es darauf ankommt, und authentischen musikalischen Ausdruck. Das ist keine persönliche Überzeugung, das zeigen Studien sehr eindeutig.

Was zeigen diese Studien konkret?

Sehr klar: Lernen und Üben hängen vom emotionalen Zustand ab. Aufmerksamkeit, ein Gefühl von Sicherheit und innere Beteiligung entscheiden darüber, wie gut gelernt wird. Unter Stress oder emotionalen Blockaden ist Lernen nachweislich weniger wirksam.

Motivation ist ebenfalls emotional gesteuert. Ob jemand übt, hängt nicht nur von Disziplin ab, sondern davon, wie sinnvoll, machbar und emotional zugänglich Üben erlebt wird.

Ein weiterer Punkt ist zentral: Probleme zeigen sich häufig beim Abruf, nicht beim Können. In Vorspielen, Prüfungen oder Konzerten entscheidet der emotionale Zustand darüber, ob Erarbeitetes verfügbar bleibt oder blockiert wird.

Auch musikalischer Ausdruck ist ohne Emotion kaum möglich. Technische Sicherheit allein reicht nicht aus. Musik wirkt dann, wenn eine emotionale Intention hör- und spürbar wird.

Und schließlich: Mentale Stabilität entsteht durch den Umgang mit Emotionen. Emotionen lassen sich nicht einfach ausblenden. Mentale Techniken wirken deutlich besser, wenn Emotionen wahrgenommen und reguliert werden können.

Unterricht spielt dabei auch eine Rolle?

Absolut. Unterricht ist immer auch Kommunikation. Emotionen zeigen sich über Mimik, Stimme und Körpersprache. Sie beeinflussen, wie Unterricht erlebt wird – oft unabhängig vom fachlichen Inhalt. Nicht erkannte Emotionen kosten Zeit und Energie. Missverständnisse, Widerstände oder Frust entstehen häufig, wenn emotionale Signale unbeachtet bleiben – bei Lehrern wie bei Schülern. Emotionstraining kann hier sehr entlastend wirken.

Ohne Üben funktioniert es aber auch nicht, oder?

Ja, natürlich. Emotionstraining ersetzt kein Üben. Wenn ich nicht geübt habe, kann ich auch nichts abrufen. Aber: Ob ich übe, wie ich übe und wie wirksam meine Übezeit ist, ist emotional gesteuert. Frust, Überforderung oder Angst führen zu Vermeidung oder ineffektivem Üben. Sicherheit, Selbstwirksamkeit und emotionale Klarheit fördern Kontinuität und Tiefe.

Emotionstraining ist hier ein Hebel. Es macht Üben leichter, fokussierter und nachhaltiger. Und es sorgt dafür, in stressigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Das ist im Kern Resilienz.

Warum kommt es aber hin und wieder zu Situationen, in denen auf der Bühne plötzlich nichts mehr geht?

Weil Stress den Zugriff blockiert. Nicht, weil das Können plötzlich weg ist. Bühne, Prüfung oder Vorspiel sind emotionale Hochlastsituationen. Wenn ich dort meinen inneren Zustand nicht regulieren kann, hilft mir oftmals Technik allein nicht weiter.

Wer lernt, mit Stress und Emotionen umzugehen, bleibt handlungsfähig. Und kann abrufen. Das nenne ich Emotionsmanagement.

Was verstehst du genau unter mentaler Stärke?

Mentale Stärke wird oft als reine Kopfsache verstanden. Für mich ist sie das nicht. Mentale Stärke bedeutet, bei Druck nicht zu kippen. Handlungsfähig zu bleiben. Sich emotional selbst steuern zu können. Ohne Emotionsmanagement ist mentale Stärke nicht stabil. Mentales Training ist sinnvoll – aber nur dann nachhaltig wirksam, wenn es emotionsbasiert eingebettet ist.

Und was bedeutet Emotionstraining für Musiker nun ganz konkret?

Emotionstraining ist keine Therapie. Es ist kein »Reiß dich zusammen« und kein positives Denken. Emotionstraining bedeutet: Wahrnehmen, wie es mir gerade geht; Stress und innere Spannung regulieren; emotionale Ressourcen aufbauen. Und Emotionen bewusst in musikalischen Ausdruck übersetzen – und zwar als Tool von außen jederzeit ansteuerbar (ohne innere Bilder).

So werden Emotionen handhabbar. Nicht zufällig, sondern trainierbar – beim Üben, im Unterricht und auf der Bühne.

Was ist dein emotional.up®-Emotionstraining?

emotional.up® ist ein neuro-emotionales Kompetenztraining speziell für Musiker. Der Ansatz geht davon aus, dass Emotionen ein zentraler Wirkfaktor im Musizieren, Lernen, Motivation, Abrufen unter Druck und musikalischem Ausdruck sind.

emotional.up® wird auf zwei Arten genutzt: als 1:1-Emotionstraining für Musiker und als Ausbildung für Musikpädagogen, die diese Methode im Unterricht und im Einzelsetting einsetzen wollen

Warum braucht es dafür eine Ausbildung?

Weil emotionale Prozesse schnell, komplex und oft unbewusst ablaufen. Sie lassen sich nicht nebenbei vermitteln. Musikpädagogen brauchen dafür eine klare Struktur und fundierte Werkzeuge. Die emotional.up®-Ausbildung ist modular aufgebaut und umfasst fünf Bereiche:

  • •Emotionswahrnehmung und Kommunikation,
  • Emotionsregulation und Ressourcenarbeit,
  • Emotionsausdruck am Instrument,
  • authentische Bühnenwirkung und
  • neuro-emotionales Resilienztraining.

Fazit 

Emotionen wirken beim Musizieren immer – ob wir sie trainieren oder nicht. Sie entscheiden darüber, wie wir lernen, ob wir motiviert bleiben, wie wir mit Stress umgehen, ob wir abrufen können und wie glaubwürdig unser Ausdruck ist. Das neuro-emotionales Kompetenztraining emotional.up® schließt hier eine zentrale Lücke, versteht Emotionen nicht als Zusatz, sondern als Grundlage musikalischer Lern- Leistungs- und Ausdrucksfähigkeit.

Emotionstraining

Mona Köppen

In ihrer Akademie bildet Mona Köppen schwerpunktmäßig und spezialisiert Musiklehrer zum »emotional.up-Emotionstrainer für Musiker« aus. Im 1:1 Training bereitet sie Musikstudentinnen und -studenten emotional-mental auf Probespiele, Prüfungen und Auftritte vor und arbeitet mit ihnen an einer authentischen Wirkung beim Auftritt. Ihre Erfahrung als Metallblasinstrumentenmacherin und Musikerin runden ihr Spektrum für ein tiefes Verständnis über die Bedürfnisse der Musikerinnen und Musiker ab. Sie ist Therapeutin für Psychotherapie. 

www.ichbinmusik-akademie.de