Von den Fragen, die Malte Burba immer wieder erreichen, greifen wir jeden Monat einige heraus, die alle interessieren könnten. Im aktuellen Beitrag geht es um Projektion, genderspezifisches Einatmen, schnelles Tempo und ballistisches Üben. Wenn Sie eine Frage haben, die Malte Burba auf dieser Seite beantworten soll, dann mailen Sie an: burba(at)brawoo.de
Der Begriff Projektion begegnet mir in letzter Zeit immer öfter! Daher habe ich einmal die KI Copilot befragt, leider mit unergiebigem Resultat. Haben Sie eine Definition/Erklärung, die mir weiterhelfen könnte?
Der Begriff »Projektion« meint bei uns die unterschiedliche Wahrnehmbarkeit und Klangfarbe von akustischen Ereignissen aus der Distanz. Obertonreichere Töne sind in der Entfernung besser hörbar als obertonarme. (Bei sehr tiefen Frequenzen haben wir dann wieder einen anderen Mechanismus, der für Sie als Trompeter aber nicht ins Gewicht fällt.)
Das Equipment kann das einerseits stark beeinflussen, aber auch inwieweit das Verhältnis von Luftdruck zu Luftmenge ausbalanciert ist: wenn man nicht stützt oder die Zunge zu weit hinten ist, haben wir eine schlechte Projektion. Umgekehrt wird die Gesamtlautstärke und der Klang dadurch negativ beeinträchtigt, dass die engste Stelle der Zunge zu weit vorne ist. Es ist also wieder einmal wie beim Kochen: die Zutaten müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen! An Ihrer Stelle würde ich mir darüber aber zuletzt Gedanken machen, denn bis das Thema Klangprojektion für Sie relevant wird, müssen noch viele andere Baustellen abgearbeitet werden.
Haben Sie schon mal von genderspezifischem Einatmen beim Trompetespielen gehört? Gestern beim Landeswettbewerb hat eine junge Trompetenschülerin zu hören bekommen, dass Trompeterinnen in die Brust einatmen müssten. Was meinen Sie?
Natürlich ist bei einer Frau der Anteil der Zwerchfellatmung am Gesamtvolumen geringer als bei einem Mann (weil aus den Gründen, denen wir unsere Existenz verdanken, unterhalb vom Zwerchfell weniger Platz ist). Das ist aber mitnichten ein Grund, auf die eklatanten Vorteile der Zwerchfellatmung, die naturgemäß auch für Frauen gelten, zu verzichten! Dass es Situationen gibt (zum Beispiel in den letzten Wochen einer Schwangerschaft), in denen andere Spielregeln gelten, ist natürlich evident, aber in dem Zusammenhang völlig irrelevant.
Dafür dann großspurig den Begriff »gendergerechte Atmung« zu mobilisieren, erscheint mir reichlich hypertroph (siehe unbedingt 11/2017 und 3/2020), denn die grundsätzlichen Mechanismen des vegetativen Nervensystems (Atmung, Herzschlag etc.) funktionieren bei allen Geschlechtern gleich!
Warum ist es eigentlich so viel schwerer (zumindest für mich), Skalen, wie etwa verminderte, in schnellem Tempo abwärts in die kleine Oktave zu spielen? Auf was muss ich achten?
Natürlich kann ich seriös Ihre Frage nur beantworten, wenn ich live neben Ihnen stehe, weil ich dann die betreffenden Körperfunktionen im Blick habe. Auf jeden Fall sollten Sie darauf achten, dass Sie beim Abwärtsspielen Ihre Körperarbeit nicht reduzieren, gemäß dem Motto: stay up going down, denn entspannen sollten Sie sich nicht beim Abwärtsspielen, sondern erst, wenn Sie nicht mehr spielen! Hilfreich ist in dem Zusammenhang immer, die kritischen Töne als getriebene zu spielen und/oder auf dem Mundstück (siehe 3/2017),
Thema: Ballistisches Üben um die einfache Zunge zu beschleunigen. Wie lange und wie viel pro Tag, wenn man es dann auch richtig ausführt, damit eine Verbesserung eintritt?
Grundsätzlich machen Sie nie etwas falsch (außer beim Treiben), wenn Sie pro Thema/Tag mindestens eine Viertelstunde investieren. Falls Sie (und Ihre Umwelt) robust mit nervlichen Strapazen umgehen können, wäre eine halbe Stunde natürlich besser. Unter einem Vierteljahr werden sich allerdings keine zuverlässigen und dauerhaften Resultate einstellen.

