Brass | Von Hans-Jürgen Schaal

Clark Terry, dem Kobold an der Trompete zum 100.

Trompete
Foto: clarkterry.com

Humor zeigte er nicht nur bei seinen Bühnenansagen, sondern auch in den “Growls, Schleifern und sprachartigen Effekten” seines Trompetenspiels. “Wenn Clark spielt, ist es, als ­werde man mit Herzenswärme umarmt”, sagte der Pianist Benny Green. Der Trompeter Clark Terry kam vor 100 Jahren in St. Louis zur Welt.

Einmal hatte Duke Ellington eine beson­dere Bitte. Es war das Jahr 1956 und das Ellington-Orchester arbeitete an einer Fernsehproduktion mit dem Titel “A Drum Is A Woman”. Die Idee dahinter war, die Geschichte des Jazz auf fantasievolle Weise neu zu erzählen. Im fünften Stück ging es dabei um Buddy Bolden, den legendären “Vater” und ersten Kornettisten des Jazz, von dem es leider keine Aufnahmen gibt.

“Ich möchte, dass du auf der Trompete Buddy Bolden porträtierst”, sagte Ellington zu Clark Terry. “Du weißt alles, was du über ihn wissen musst. Er hatte ein gutes Leben, die Ladys liebten ihn, er war attraktiv, cool, höflich und smart. Und er hatte einen mächtigen Sound. Wenn er sich in New Orleans warmspielte, konnte man ihn auf der anderen Seite des Flusses hören, und dort in Algiers zerbrachen die Gläser in den Geschirrschränken. Du weißt das alles – und jetzt lass mich hören, wie du dir vorstellst, dass er geklungen haben könnte.”

Im Orchester von Duke Ellington

Ein Jahrzehnt lang (1951 bis 1959) spielte Clark Terry im Orchester von Duke Ellington, aber solche Solo-Features bekam er nicht oft. “Ich hätte gerne mehr Soli gespielt, doch die Älteren hatten bei Ellington ein Vorrecht. Es waren etwa zehn Jungs vor mir an der Reihe.” Dennoch blieb Terry dem Duke immer dankbar: Alles, was er als Bandleader könne, habe er von Ellington abgeschaut, sagte er einmal. Und überhaupt habe er dank Ellington seinen Karrieredurchbruch gehabt: “Der Duke war es, der effektiv aus mir einen großen Mann machte.”

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