Brass, Orchestra, Wood | Von Hans-Jürgen Schaal

Scott Hamilton und Co.: Ein Retrotrend vor 40 Jahren

Swing
Ken Peplowskis Debütalbum

Der Bassist Monty Budwig staunte einst über den fast 30 Jahre jüngeren Saxofonisten Scott Hamilton. “Wo hat er das nur alles aufgeschnappt? Er muss ja Ben Webster und Coleman Hawkins schon mit drei Jahren gehört haben.”

In der Geschichte des Jazz gab es immer wieder Bemühungen, ältere Stile neu zu beleben, wenn auch meist unter veränderten Vorzeichen. Um 1940 z.B. entdeckte das Studentenpublikum von San Francisco den frühesten Jazz wieder. Damals entstand – gegen den kommerzialisierten Bigband-Swing – die Dixieland-Bewegung. Um 1950 haben die Cool Jazzer dem harschen, abstrakten Bebop eine Rückwendung ins Melodische und Weiche verpasst. Ein paar Jahre später wurde der Bebop dann von den Hardboppern harmonisch und formal vereinfacht und in Blues und Gospel geerdet. 

In den 1970er Jahren schließlich – nach den Erschütterungen durch Free und Fusion – hat man irgendwann die Tugenden des swingenden Mainstream-Jazz wieder ausgegraben. In Kalifornien entstanden damals zwei wichtige Jazzlabels, die sich ganz der Tradition verschrieben: Pablo Records und Concord Records. Die Protagonisten dieses Retro-Trends waren die Pioniere von einst – Swing-, Bop- und Cool-Veteranen wie Count Basie, Dave Brubeck, Duke Ellington, Herb Ellis, Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Milt Jackson, Oscar Peterson oder George Shearing. Die Neubelebung des swingenden Mainstream-Jazz verbanden sie dabei mit aktuellen Tendenzen wie dem schlagzeuglosen Solo-, Duo- oder Triospiel. Nach nur wenigen Jahren schlossen sich erstaunlicherweise auch junge Musiker diesem Mainstream-Trend an – und dies mit einer Retro-Rigorosität, die geradezu anachronistisch wirkte. Der erste junge Held dieses “New Swing” hieß Scott Hamilton.

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