Brass, Orchestra | Von Redaktion

Tubist Daniel Ridder und das Landesblasorchester

Tubist
Foto: Corinna Schwegel

Das Landesblasorchester Baden-Württemberg bietet in seinem kommenden Programm mit dem Werk El Gigante de hierro von Ferrer Ferran einem eher selten gehörten Soloinstrument die Bühne, zu zeigen, dass es mehr kann als im Fundament des Orchesters Strukturarbeit zu leisten. Ideal geeignet, um diesen Beweis anzutreten, ist der Solist Daniel Ridder, als Solotubist des Musikkorps der Bundeswehr mit allen Belangen der Blasmusik bestens vertraut. Jedoch auch weit darüber hinaus, umtriebig im sinfonischen-, Opern- und Operettenbereich, als reger Kammermusiker, gefragter Gastmusiker, Dozent und Lehrer ist er ein musikalischer Tausendsassa und gut vernetzter Botschafter seines Instrumentes.

Alexandra Zinßer hatte das Vergnügen, Daniel Ridder im Vorfeld der gemeinsamen Probearbeit mit dem Landesblasorchester in einem Videointerview einige Fragen zu stellen.

Wie kamst Du mit der Musik allgemein und mit der Tuba insbesondere in Kontakt?

Ich habe relativ spät zur Musik gefunden. Erst mit 14 oder 15 kam ich durch den heimatlichen Musikverein und einen Lehrer meiner Schule zunächst zur Posaune, dann zur Bassposaune.
Ich hatte von Anfang an sehr guten Unterricht bei uns an der Musikschule. Weil im Jugend­orchester des heimischen Musikvereins Bedarf war, bin ich da schon versuchsweise zur Tuba gewechselt. Im Anschluss an eine Schreinerlehre wollte ich meinen Wehrdienst im Musikkorps der Bundeswehr absolvieren und versuchte dort, gleich mit der Tuba aufgenommen zu werden. Das hat geklappt und letztendlich habe ich dann auch Tuba studiert.

Du bist als Solotubist des Musikkorps der Bundeswehr der Blasmusik treu geblieben, obwohl Du auch andere Möglichkeiten gehabt hättest und Dich nebenher auch vielen anderen Bereichen der Musik widmest.

Ja, definitiv. Ich möchte meine Wurzeln da auf jeden Fall nicht verleugnen. Dafür mache ich das zu gerne und das ist auch meine musikalische Heimat. Das Laienmusikwesen ist mir weiterhin wichtig. Man bildet ja als professioneller Musiker auch Amateure und Laien aus, so dass man sein Wissen immer weiterträgt und weitergibt.

Dennoch bin ich froh, dass ich immer wieder Gelegenheit habe, andere Bereiche der Musik zu erleben und auch im sinfonischen Bereich oder Oper spielen kann.

Ist die Funktion der Tuba denn sehr anders im Sinfonieorchester als im Blasorchester?

Ja klar! Im Blasorchester ist die Tuba grundsätzlich das Fundament des Orchesters, zusammen mit dem tiefen Holz und dem Kontrabass. Im Sinfonieorchester ist die Aufgabe eine andere, hier ist man halt die Ergänzung des Blechsatzes: Hörner, Trompeten, Posaunen, und das eigentliche Fundament sind die Kontrabässe. Man spielt im Sinfonieorchester weniger, dafür oft exponierter. Im Blasorchester spielen wir vom ersten bis zum letzten Ton alles und das ist durchaus auch eine Frage der Kondition.

Die Tuba ist ein großes Instrument und deshalb verbunden mit gewissen Notwendigkeiten. Warst Du auch schon mal mit dem Instrumentenkoffer beim Autohändler?

Ja, das hat wohl jeder Tubist schon erlebt. Während meiner Schreinerlehre konnte ich auf den Firmenwagen zurückgreifen. Aber ich war auch schon mit Instrument beim Autohändler und bereits die Probefahrt scheiterte daran, dass das Instrument nicht in den Kofferraum passte.

Nicht zuletzt wegen solchen Einschränkungen war die Tuba landläufig eher ein Nischeninstrument.

Ja, die Tuba war doch ein relatives Nischen­instrument, aber es gibt heutzutage so viele tolle junge und hochprofessionelle Tubisten, die das Instrument auf eine ganz andere Ebene gehoben haben als noch vor einigen Jahren.

Vielleicht hat dieses frühere Nischendasein ja auch dazu geführt, dass Ihr Tubisten Euch wie kaum eine andere Instrumentengruppe organisiert und vernetzt habt. Man hat das Gefühl, die Tubisten sind eine sehr eingeschworene Gemeinschaft.

Das stimmt, und das ist nicht nur deutschlandweit so, sondern auch international. Das ist uns heute natürlich durch die Möglichkeiten von Social Media noch deutlich erleichtert worden, mit Musikern rund um die Welt in Kontakt zu treten. Möglicherweise hat hier Corona durch den Ausbau der Infrastruktur sogar einen Beitrag geleistet.

Der tiefe Blechbereich ist eine eingeschworene Truppe, es gibt viele Festivals, das Deutsche Tubaforum ist sehr rege. Die Vernetzung ist sehr stark, so haben wir beispielsweise eine große Tubarunde mit über hundert Teilnehmern, wo wir uns austauschen, nötigenfalls nach Aushilfen suchen.

Auch wenn Du schon gesagt hast, dass sich beim Image der Tuba schon viel verändert hat, ist es häufig immer noch schwierig für Musikvereine, Nachwuchs für dieses wichtige Instrument zu finden. Hast Du Ideen, wie man Kinder und Jugendliche für die Tuba begeistern kann?

Eigentlich ist die Tuba schon aufgrund ihrer Größe und ihrer Erscheinung für Kinder ein attrak­tives Instrument. Häufig sind es viel eher die Eltern, die überzeugt werden müssen. Inzwischen gibt es viel mehr schöne und ansprechende Literatur und es gibt viel mehr gute und bezahlbare Instrumente für den Anfangsbereich. Es gibt Bläserklassen und JeKits, in denen die Kinder von Anfang an in einer Gruppe spielen können. Die Tuba ist präsenter in den Medien. Da hat sich in den letzten Jahren viel getan und das sollte in den Vereinen auch fortgeführt werden, beispielsweise in der Auswahl der Literatur.

Landesblasorchester

Konzerttermine 

  • 28. Oktober, 20 Uhr, Hülben Rietenlauhalle
  • 29. Oktober, 18 Uhr, Neresheim
  • 18. November, 19 Uhr, Bad Wildbad, Enztalhalle
  • 19. November, 17 Uhr, Baienfurt
  • 26. November, 16 Uhr, Stuttgart, Abschlusskonzert der BRAWO-Messe

www.landesblasorchester.de

In dem Stück “El Gigante de hierro”, dem Eisernen Riesen, wird die Vermenschlichung der Tuba thematisiert. Die starke Identifikation mit dem Instrument geht so weit, dass Kollegen von Dir ihren Instrumenten Namen geben. Hat Deine Tuba auch einen Namen?

Da ich sehr viele, auch teilweise historische Instrumente besitze, müsste ich mir da ganz schön viele Namen merken. Als Tubisten haben wir es schon mit vier verschiedenen Stimmungen zu tun: im Bassbereich die F- und die Es-Tuba und im Kontrabassbereich die C- und die B-Tuba. Ich komme durch die Posaune von einem B-Instrument, deshalb war die B-Tuba immer mein bevorzugtes Instrument. Weil man sich mit den Instrumenten täglich befasst, entsteht zwangsläufig auch eine gewisse Beziehung, in der man weiß, was man voneinander erwarten kann. Die B- und die F-Tuba, das ist schon Familie, die C- und die Es-Tuba eher gute Verwandtschaft.

Das Solostück werde ich auf einer kleinen C- Tuba spielen, wechsle im zweiten Satz dann auf die F-Tuba, um auch beide Instrumente vorstellen zu können. Da die C-Tuba bei uns in Deutschland nicht so viel Tradition hat, muss ich da bei der Vorbereitung einen besonderen Fokus darauf haben.

Durch die bildhafte Thematik und Klangsprache ist Ferrans Werk auch für die Zuhörer gut zugänglich und, da es sehr facettenreich ist, gibt es die Möglichkeit, sich gut zu präsentieren. Der erste Satz ist sehr cool und rhythmisch und der letzte Satz ist wie ein Wirbelwind.

Kanntest Du das Landesblasorchester Baden-Württemberg bereits vor unserer Einladung?

Ja, ich kannte das Landesblasorchester bereits, vor allem aus einschlägiger Fachliteratur und Social Media. Es hat eine große Präsenz, weil es ein sehr gutes, und mit Björn Bus als Dirigent, geradezu professionell geführtes Orchester ist. Ich finde es interessant, dass es sich aus professionellen, semiprofessionellen und sehr guten Laienmusikern aus unterschiedlichen musikalischen Bereichen zusammensetzt. Leider hatte ich bisher keine Gelegenheit, das LBO live zu hören und sehe den gemeinsamen Proben deshalb sehr gespannt entgegen.

Was sind Deine Erwartungen an das Landesblasorchester?

Projektorchester sind mir nicht fremd. Mir hat das immer sehr viel gebracht: musikalisch, aber auch menschlich. Es war immer ein guter Zusammenhalt, die Musiker kennen sich schon über viele Jahre, deshalb bin ich beim bevorstehenden Projekt vor allem auch auf die Gemeinschaft gespannt, wie die Stimmung auch nach den Proben ist. Ich denke, das ist ein ganz anderes Gefüge als in manchen professionellen Orchestern und darauf bin ich sehr gespannt. Ich sehe der Sache ganz entspannt und positiv entgegen und freue mich darauf!

Interview: Alexandra Zinßer